{"corpus":"steiner","locus":"GA 193/1919-09-13/p016","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Aus anderen Impulsen heraus stellt sich etwas hin im Orient, der eine Weltanschauung ausgebildet hat, die da sagt: Ich blicke hin auf das, was äußerlich in der Welt vorgeht. Ich sehe auf das, was meine Sinne mir als Eindrücke übermitteln, ich sehe auf das, was ich als Werkzeug benutze, um die Welt umzuändern, ich sehe auf das, was aus den Sternen herunterscheint zu mir, ich sehe auf das, was ich selbst leiblich bin. Was ist das alles? - Maja ist es. Was ist dagegen die wahre Wirklichkeit, was ist nicht Täuschung? Was im Inneren der menschlichen Seele erlebt wird, das ist die Wirklichkeit. - Wer nicht lexikographisch, wobei nichts herauskommt, sondern innerlich übersetzt, der weiß, dasselbe Wort, das im Orient Maja heißt, heißt im Okzident Ideologie. Der Orientale hat seit Jahrtausenden die Welt draußen, die auf unsere Sinne wirkt, auch die Wirtschaft, als Maja angesehen. Der Okzidentale dagegen sieht in dem, was äußerlich ist, was für den Orientalen Maja ist, die Wirklichkeit, und was in der Seele aufsteigt, das ist ihm Ideologie. Beide Weltanschauungen haben es bis zu einer gewissen Stufe gebracht. Fragen Sie heute noch die führenden Persönlichkeiten der sozialistischen Parteien, namentlich in denjenigen Gegenden, wo die erste Revolution noch nicht eingetreten ist- die man hier als die Novemberrevolution aufzufassen hat. Diese Revolution hat allerdings auch die Begriffe bei den sozialistischen Führern etwas umgeändert. Nicht die Empfindungen, aber die Begriffe -; bei ihnen hören Sie auch heute noch das, was man bis zur Kriegskatastrophe gehört hat, die Anschauung, daß man nicht aus dem Willen heraus etwas beizutragen brauche zur Umwandlung, zur Revolutionierung der Welt, sondern daß das von selbst eintreten werde. Etwas Fatalistisches war im Okzident eingetreten. Die Leute haben gesagt: Wir brauchen nur abzuwarten, bis sich die Produktionsmittel so entwickelt haben werden, daß das, was sich im Privatkapital konzentriert hat, von selbst in andere Formen übergehen wird. Das Denken war so geartet, daß man etwa sagte: Hier in diesem Zimmer ist schlechte Luft, ich kann nicht mehr atmen. Man könnte das Fenster aufmachen, aber ich mache es nicht auf. Ich warte ab, bis die Luft von selbst besser wird.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1919-09-13","location":null,"word_count":351,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/193/1919-09-13/p016","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/193/1919-09-13/p016"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/193/1919-09-13/p016","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}