Siebenter Vortrag

GA 193/1919-09-13/p023 ·1919-09-13 · original (original)
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Nun habe ich Ihnen einen Begriff gegeben, wie man hinaufarbeiten kann in die Sphäre der Archangeloi. Man kann noch höher hinaufarbeiten. Auch das muß die Menschheit der Gegenwart lernen. Unsere gebildeten Klassen mußten ja zurückblicken auf die griechische Zeit. Sie mußten ja, namentlich insofern sie Männer waren-und in der neueren Zeit übt man ja diese Prozedur auch an der Frauenjugend aus -, das Gymnasium durchmachen, griechische Bildung in sich aufnehmen, und dadurch hatten sie genügenden Impuls bekommen, immer mehr und mehr sich zurückzufühlen in die griechische Welt. Das hat eine große Bedeutung für unsere Zivilisation, denn wir machen es so, daß wir gerade in unseren wichtigsten Entwicklungsjahren dasjenige lernen, was die Griechen der Welt geleistet haben. Die Griechen haben es anders gemacht. Ihnen ist es natürlich nicht eingefallen, ihren Jungen etwa ägyptische Sprache beizubringen. Sie haben sich dem gewidmet, was ihre unmittelbare Wirklichkeit war. Sie waren von einem unmittelbaren Wirklichkeitssinn. Wir beschäftigen unsere Jugend damit, daß sie nicht etwas kennenlernt von der Umgebung und Wirklichkeitstriebe aufnimmt. Wir versetzen sie in eine alte Zeit. Wir ahnen gar nicht, was wir damit eigentlich tun. Denn wir bringen den Kindern - jungen Herren und jungen Damen muß man wohl sagen - nicht etwa bloß griechische Sprache bei. Sondern in der Sprache, in der Lautkonfiguration, in der Grammatik einer Sprache liegt auch der ganze Charakter eines ganzen Volkes. Indem der Mensch die griechische Sprache aufnimmt, wie es heute geschieht, nimmt auch das Drinnenstehen seiner Seele in der Welt eine ähnliche Konfiguration an, wie es in Griechenland der Fall war. Dort war alles Kulturleben so gestellt, daß nur eine kleine Schicht oben eigentlich teilnahm an der Kultur, die anderen waren Sklaven. Es war ja in Griechenland eines freien Mannes nur würdig, sich mit Wissenschaft, Politik und höchstens noch — aber nur mit der Aufsicht - in der Landwirtschaft zu beschäftigen. Alles andere war Sklavensache. Das liegt in der Sprache. Und indem wir die griechische Kultur mit der Sprache in uns vereinigen, vereinigen wir den Aristokratismus mit unserer Geistesbildung. Für den Griechen war es natürlich, den ganzen sozialen Organismus aufzubauen gemäß seiner Geistesrichtung, denn für ihn hing diese zusammen mit dem Blute. Da waren die Menschen, welche die breiten Massen waren. Dann gab es jene Menschen, die der höhere Typus waren, und die hatten schon durch ihr Blut das höhere Geistesleben in sich. Das kommt sogar in der griechischen Plastik zum Ausdruck. Vergleichen Sie den Merkurtypus, wie die Nase, wie die Ohren gestellt sind, mit dem Zeus- oder Athenetypus: andere Nasenstellung, andere Ohrenstellung. Der Grieche wußte genau, was er ausdrücken wollte, indem er den Merkurtypus auf der einen Seite, den arischen Zeustypus auf der anderen Seite aufbaute.

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Cite: GA 193/1919-09-13/p023 · edition original