Siebenter Vortrag

GA 193/1919-09-13/p025 ·1919-09-13 · original (original)
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Man ist das, was man ist, in einem abstrakten Zusammenhange. Diese Anschauung ist im wesentlichen römisch, und alles, was im gewöhnlichen Leben in dieser Art vorhanden ist, ist im wesentlichen römisch. Unsere Erziehung wird ja im wesentlichen in Anspruch genommen durch den Staat, der so abstrakt geworden ist und der unter der sozialistischen Einwirkung noch viel abstrakter werden wird. Die Menschen werden heute nicht erzogen, um als Menschen in die Welt hineingestellt zu werden, sondern um einen Staatsberuf zu haben und in diesen hineingestellt zu werden. Der Staat nimmt die jungen Menschen in die Hand - nicht gleich, denn da sind sie ihm noch zu unreinlich, da überläßt er sie einstweilen den Eltern. Dann aber breitet er seine Fangarme nach dem Menschen aus und dressiert ihn so, daß er für ihn geeignet ist. Und er weiß sehr gut, daß die Menschen dann für ihn geeignet sind. Denn, was gibt er ihnen alles? Er gibt ihnen ein wirtschaftliches Leben, gibt ihnen alles, was für sie vorgeschrieben ist, und dann pensioniert er sie. Und man soll nur einmal hören, was es für den Menschen bedeutet, wenn er sich sagen kann: er bekomme zu seiner Anstellung, für die er nicht nur bezahlt wird, nachher auch noch eine Pension! Das ist etwas ganz Großes und kettet die Menschen an den abstrakten Staat, und das ergreift dann auch die übrige Gesinnung. Auch da ist die romanische Gesinnung in den übrigen Menschen eingetreten. Sagt man heute dem Menschen: Du mußt, um an deiner Unsterblichkeit teilzunehmen, das, was in deiner Seele wirkt, aktiv machen, damit du selbst deine Seele aktiv durch die Todespforte trägst -, so versteht er das nicht. Man hat ihm gründlich abgewöhnt, auf so etwas sein Verständnis zu lenken. Man sagt ihm dafür, du brauchst nur an Christus zu glauben und an das, was der Staat tut. Und er weiß dann: erst wird er durch den Staat versorgt, und wenn er genug gearbeitet hat, wird er vom Staate pensioniert. Und die Kirche tut dann noch ein weiteres. Sie pensioniert nach dem Tode des Menschen seine seele, so daß er im Leben nicht mitarbeiten muß an seiner Scele und selbst etwas tun, wenn er seine Seele durch die Todespforte trägt. Registriert ist der Mensch heute, und die Politik des römischen Wesens, sie haben wir als zweites in unsere Wesenheit aufgenommen und nehmen sie immer mehr und mehr auf.

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Cite: GA 193/1919-09-13/p025 · edition original