{"corpus":"steiner","locus":"GA 193/1919-09-13/p027","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Dazu kam das, was sich nicht von alten Zeiten in neue verpflanzen läßt, das Wirtschaftsleben. Das mußte modern sein. Denn man kann wiederkäuen, was die Griechen erkannt haben, man kann auf sich wirken lassen, was die Römer als Rechtsleben hatten, man kann aber nicht essen, was die Griechen und die Römer gegessen haben. Das Wirtschaftsleben muß modern sein. So haben wir es nach und nach dahin gebracht, daß wir unser Wirtschaftsleben durchkreuzt haben mit dem griechischen Geistesleben, mit dem römischen Rechtsleben, und wir haben jetzt die Aufgabe, diese Dinge wieder auseinanderzubringen, sich dafür Verständnis zu erwerben, daß diese drei Schichten, die wie aus verschiedenen Zeitaltern sich zusammenballen, auseinandergebracht werden müssen. Das heißt, sein Interesse ausdehnen - wie früher über Orient und Okzident im Raume - bis zur Gegenwart, das heißt, sich erheben, sich fähig machen zu Empfindungen, die uns erheben können zu den Archai. Aber wie viele Menschen wollen sich heute ein Interesse für diese Dinge entwikkeln, ein unbefangenes Interesse, wie der Zeitgeist spielt, indem er die Zeiten ineinanderschiebt, wie ich es geschildert habe. Ich habe in Stuttgart gesprochen von der Unnatur unserer Gymnasialbildung. Ich weiß nicht, ob es ein bloß zeitlicher Zusammenhang war, aber der zeitliche Zusammenhang war da. Ein paar Tage, nachdem ich darüber gesprochen hatte, erschienen in Stuttgarter Zeitungen große Annoncen, unterschrieben von allen möglichen Zöpfen, pardon Professoren und dergleichen; daß die Gymnasialbildung nicht unterschätzt werden dürfe, denn sie hätte ja für die Größe des deutschen Volkes, die so herrlich in der letzten Zeit hervorgetreten sei, das ihrige beigetragen. Buchstäblich war das zu lesen als die angebliche Meinung der Jugendbildner im April des Jahres 1919, nach dem Oktober 1918! Diese Dinge sind möglich in unserer Zeit. Es sind ja noch andere Dinge möglich.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1919-09-13","location":null,"word_count":286,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/193/1919-09-13/p027","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/193/1919-09-13/p027"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/193/1919-09-13/p027","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}