Neunter Vortrag

GA 193/1919-10-27/p011 ·1919-10-27 · original (original)
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Als dann der luziferische Impuls immer mehr und mehr aus den Gemütern der Menschen verschwand, da waren die Menschen auch immer weniger und weniger imstande, den Christus-Impuls wirklich richtig in sich aufzunehmen. Bedenken Sie doch nur, vieles ist materialistisch geworden im Lauf der neueren Zeit. Aber wenn Sie sich fragen: Was ist denn am meisten materialistisch geworden? - da bekommen Sie die Antwort: Ein großer Teil der modernen christlichen Theologie. -Denn es ist einfach der stärkste Materialismus,dem sich ein großer Teil der modernen christlichen Theologie hingibt, indem diese moderne christliche Theologie nicht mehr den Christus in dem Menschen Jesus von Nazareth sieht, sondern nur noch den Menschen Jesus von Nazareth, den «schlichten Mann aus Nazareth», den Mann, den man verstehen kann, wenn man wenig sich hinaufschwingen will zu irgendeinem höheren Verständnis. Je mehr man den Menschen Jesus von Nazareth als einen bloßen gewöhnlichen Menschen annehmen konnte, der nur eben in die Reihe der anderen berühmten historischen Persönlichkeiten gehört, desto mehr gefiel das einer gewissen materialistischen Richtung der modernen Theologie. Vom Übersinnlichen des Ereignisses von Golgatha will diese moderne Theologie wenig, recht wenig anerkennen.

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Cite: GA 193/1919-10-27/p011 · edition original