Neunter Vortrag
Was das heißt, kann nun eigentlich nur der den Tatsachen nach in Betracht ziehen, der in der Lage ist, den Menschen in seiner vollständigen Wesenheit zu verfolgen. Astronomen, Astrophysiker haben gutreden, indem sie das Weltenall als einen Mechanismus hinstellen, der durch mathematische Formeln sich begreifen und errechnen läßt. Das wird ja der Mensch glauben in der Zeit, da er vom Morgen an aufgewacht ist, und bis zum Abend, wo er wieder einschläft. Aber in jenen unterbewußten Tiefen, die der Mensch mit seinem Wachbewußtsein nicht erreicht, die aber doch zu seinem Dasein gehören, und in denen er zwischen dem Einschlafen und Aufwachen lebt, da fließt anderes in die Seele des Menschen ein über das Weltenall! Da lebt in der menschlichen Seele ein Wissen, das zwar dem wachen Bewußtsein nicht bewußt ist, das aber unten in den Tiefen der Seele lebt und die Seele gestaltet, ein Wissen vom Geiste, vom Leben der Seele, vom Leben des Kosmos. Und wenn der Mensch auch in seinem Wachbewußtsein nichts weiß von dem, was da in Gemeinschaft mit Geist, Seele und Leben des Weltalls vom Einschlafen bis zum Aufwachen vor sich geht - in der Seele sind die Dinge, sie leben darinnen. Und manches in den Zwiespalten des modernen Menschen, die so große sind, rührt von der Disharmonie her zwischen dem, was die Seele vom Einschlafen bis zum Aufwachen über das Weltenall erlebt, und dem, was das wache Bewußtsein heute anerkennen will als Weltanschauung über dieses Weltenall.
Cite:
GA 193/1919-10-27/p017 · edition original