Neunter Vortrag

GA 193/1919-10-27/p020 ·1919-10-27 · original (original)
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Aber ziehen Sie aus dem, was ich jetzt gesagt habe, nur ja keine falschen Schlüsse. Ein falscher Schluß wäre es, die Wissenschaft der Gegenwart zu meiden. Das ist der allerfalscheste Schluß, den Sie ziehen könnten. Man soll sie kennenlernen. Man soll gerade alles dasjenige, was von dieser Seite her kommt, kennenlernen, aber mit dem vollen Bewußtsein: ein Illusionsaspekt, ein für unsere Menschheitserziehung notwendiger Illusionsaspekt wird uns dadurch gegeben. Nicht dadurch, daß wir etwa meiden die Wissenschaft der Gegenwart, bewahren wir uns vor Ahriman, sondern dadurch, daß wir sie in ihrer wahren Gestalt kennenlernen. Denn diese Wissenschaft muß uns eine äußere Illusion geben von dem Weltenall. Wir brauchen diese äußere Illusion. Glauben Sie nur nicht, daß wir diese äußere Illusion nicht brauchen. Wir müssen sie dann nur von ganz anderer Seite her durch die Geistesforschung mit wahrer Wirklichkeit erfüllen, müssen von dem illusionären Charakter zu der wahren Wirklichkeit aufsteigen. sehen Sie sich zahlreiche meiner Vortragszyklen gerade auf das hin an, was ich heute Ihnen sage, so werden Sie finden, wie überall versucht worden ist, voll einzugehen auf die Wissenschaft unserer Zeit, aber das alles hinaufzuheben bis zu der Sphäre, wo man einsehen kann, wieviel das gilt. Sie können ja auch nicht wünschen, daß der Regenbogen vor Ihnen verschwindet, weil Sie ihn als eine Lichtillusion, als eine Farbenillusion erkennen. Sie werden ihn nicht verstehen, wenn Sie ihn nicht in seinem illusionären Charakter durchschauen. So ist es aber mit alledem, was Ihnen gegenwärtige Wissenschaft für Ihr Vorstellungsvermögen von der Welt gibt. Sie gibt nur Illusionen, und man muß den Illusionscharakter erkennen. Dann kommt man gerade dadurch, daß man sich durch diese Illusionen erzieht, zur Wirklichkeit der Welt. Das ist das eine Mittel, das Ahriman hat, um seine Inkarnation möglichst wirksam zu machen: die Menschen bei dem wissenschaftlichen Aberglauben zu halten. Das andere Mittel, das zweite Mittel, das er hat, ist: alles das zu schüren, was die Menschen heute in Gruppen, in kleine Gruppen zerteilt, die sich gegenseitig befehden. Sie brauchen bloß in der Gegenwart auf das Parteiwesen, auf das sich befehdende Parteiwesen hinzusehen, und Sie werden finden - wenn Sie nur unbefangen sind, können Sie das anerkennen -, daß diese sich befehdenden Parteien eigentlich aus der bloßen Menschennatur heraus wahrhaftig nicht zu erklären sind. Wenn die Menschen einmal ehrlich gerade diesen sogenannten Weltkrieg aus den menschlichen Disharmonien werden erklären wollen, dann werden sie eben einsehen, daß sie mit dem, was sie in der physischen Menschheit finden, ihn nicht erklären können. Gerade da zeigt es sich so deutlich, wie außersinnliche Mächte hereingewirkt haben, gerade ahrimanische Mächte!

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Cite: GA 193/1919-10-27/p020 · edition original