Neunter Vortrag

GA 193/1919-10-27/p023 ·1919-10-27 · original (original)
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Wenn Sie heute fragen: Wer reizt denn die Völker gegeneinander? Wer bringt Fragen herauf, wie sie heute die Menschheit dirigieren? - so lautet die Antwort: Die ahrimanische Verführung, die in den Menschen hineinspielt! - Und die Menschen lassen sich auf diesem Gebiete sehr leicht täuschen. Sie wollen nicht eingehen auf jenes Hinuntersteigen in die Unterschichten, wo die Realitäten sind. Denn sehen Sie, Ahriman bereitet gut sein Ziel vor: Eben seit der Reformation und Renaissance stieg ja in der modernen Zivilisation als der tonangebende Herrschertypus der ökonomische Mensch herauf. Das ist eine wirklich geschichtliche Tatsache. Wenn Sie in alte Zeiten zurückgehen, sogar in diejenigen, die ich Ihnen heute als die luziferischen charakterisieren mußte, wer waren denn die Herrschertypen? Initiierte! Die ägyptischen Pharaonen, die babylonischen Herrscher, die Herrscher Asiens, sie waren Initiierte. Dann kam der Priestertypus herauf als Herrschertypus. Und der Priestertypus herrschte im Grunde genommen bis zur Reformation und Renaissance. Seit jener Zeit herrscht der ökonomische Typus Mensch. Die Herrscher, die sind ja nur die Handlanger der ökonomischen Menschen. Man soll durchaus nicht glauben, daß die Herrscher der modernen Zeit etwas anderes waren als die Handlanger der ökonomischen Menschen. Und alles das, was sich in Gesetz und Recht ergeben hat-man studiere es nur durchgreifend -, das ist einfach eine Folge desjenigen, was ökonomische Menschen gedacht haben. Erst im 19. Jahrhundert kommt herauf an die Stelle des ökonomischen Menschen der bankiermäßig denkende Mensch, und erst im 19. Jahrhundert wird ganz und gar diejenige Ordnung geschaffen, die eigentlich durch die Geldwirtschaft alle übrigen Verhältnisse zudeckt. Man muß diese Dinge nur einsehen können, muß sie richtig empirisch, erfahrungsgemäß verfolgen können.

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Cite: GA 193/1919-10-27/p023 · edition original