Neunter Vortrag
Denken Sie an eine literarische Erscheinung wie «Lux mundi», die am Ende der achtziger, Anfang der neunziger Jahre ausgegangen ist von gewissen Mitgliedern der Englischen Hochkirche, von angesehenen Theologen der Englischen Hochkirche, Aufsätze, überall durchdrungen von dem Bestreben, eine Brücke zu bauen von der weltlichen Wissenschaft hinüber zu dem Dogmeninhalt. Überall, ich möchte sagen, ein Herüber- und Hinüberzappeln, nirgends ein kühnes Ergreifen der weltlichen Wissenschaft, nirgends ein Durchleuchten dieser Wissenschaft mit dem Geiste, ein unbefangenes Hinschauen auf das Evangelium und dann sagen: Das Evangelium allein tut es heute nicht, es muß aufgeklärt, es muß erhellt werden. - Das aber ist notwendig für die heutige Menschheit, nach beiden Seiten hin den Mut zu bewahren und zu sagen: Die weltliche Wissenschaft allein, sie führt zur Illusion, das Evangelium allein, es führt zur Halluzination. Der Mensch findet den Mittelweg zwischen Illusion und Halluzination allein in dem geistgemäßen Ergreifen der Wirklichkeit. Das ist dasjenige, worauf es ankommt.
Cite:
GA 193/1919-10-27/p032 · edition original