Lucifer and Ahriman

GA 193/1919-11-04/p023 ·1919-11-04 · original (original)
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Sehen Sie, es ist ein Damm aufgerichtet worden, damit die einzelnen Evangelien nicht allzusehr den Menschen einengen, dadurch, daß das Ereignis von Golgatha von vier Seiten beschrieben ist in den Evangelien, die sich - wenigstens scheinbar - widersprechen. So daß die Menschen bewahrt werden vor einer zu wörtlichen Auffassung, wenn sie nur ein klein wenig nachdenken. In denjenigen Sekten aber, die ein Evangelium nur zugrunde legen - solche gibt es auch, und zwar zahlreiche -, macht sich geltend das Verführerische, das Dumpfmachende, das Halluzinatorische, das hervorgerufen wird durch die bloße Vertiefung in die Evangelien. Die Evangelien mußten in ihrer Zeit als Gegengewicht gegen die luziferische Gnosis gegeben werden. Aber werden sie so genommen, wie sie dazumal gegeben worden sind, so dienen sie nicht dem Menschheitsfortschritt, sondern sie dienen dem Zwecke Ahrimans. Irgend etwas ist nicht bloß im absoluten Sinne gut durch sich selbst, sondern immer ist es gut oder schlimm, je nachdem die Menschen es gebrauchen. Das Beste kann am schlimmsten sein, wenn die Menschen es nicht im richtigen Sinne gebrauchen. Wenn die Evangelien ein Höchstes sind, so können sie gerade am schlimmsten wirken, wenn die Menschen zu bequem sind, um zu einer wirklichen geisteswissenschaftlichen Interpretation dieser Evangelien vorzudringen.

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Cite: GA 193/1919-11-04/p023 · edition original