Erster Vortrag
Fassen wir einmal den Begriff derjenigen Wesenheiten, die der Mensch als seine göttlichen Wesenheiten empfinden soll, dann müssen wir uns sagen: Der Mensch kann richtig diese Wesenheiten nur empfinden, wenn er sie sich denkt als das Gleichgewicht bewirkend zwischen dem luziferischen und dem ahrimanischen Prinzip. Er kann dasjenige, was er als sein Göttliches empfinden soll, niemals als Richtiges empfinden, wenn er auf diese Dreigliederung nicht eingeht. Betrachten Sie von diesem Gesichtspunkte aus einmal eine Dichtung wie «Das verlorene Paradies» von Milton, oder betrachten Sie eine Dichtung wie Klopstocks Messiade, die unter dem Einflusse des «Verlorenen Paradieses» von Milton entstanden ist. Da haben Sie im Grunde nichts von einem wirklichen Verständnis einer dreigliedrigen Weltstruktur, da haben Sie einen Kampf zwischen vermeintlich Gutem und vermeintlich Bösem, den Kampf zwischen dem Himmel und der Hölle. Da haben Sie so recht in die menschliche Geistesentwickelung den Irrwahn der Zweiheit hineingetragen. Da haben Sie dasjenige, was vielfach im populären Bewußtsein wurzelt als der wahnvolle Gegensatz zwischen Himmel und Hölle, in zwei neuere Weltgedichte hineingetragen.
Cite:
GA 194/1919-11-21/p029 · edition original