Erster Vortrag

GA 194/1919-11-21/p039 ·1919-11-21 · original (original)
Record: unknown. How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.

Man braucht deshalb durchaus nicht auch ein Ketzerverdammer zu werden. Wir führen fortwährend Szenen aus dem Goetheschen «Faust» auf, und ich habe Jahrzehnte dem Studium Goethes gewidmet. Aber aus meiner kleinen Schrift «Goethes Geistesart» können Sie entnehmen, daß mich das nicht blind gemacht hat gegen die falsche Charakteristik, die in der Goetheschen Mephistopheles-Figur lebt. Es wäre durchaus philiströs, zu sagen: Goethes Mephistopheles ist falsch, also weg damit. Da würde man es ja machen wie gewisse Ketzerrichter. In diese Lage dürfen wir uns als moderne Menschen nicht bringen. Aber wir dürfen uns auch nicht in bequemer Weise bei dem befriedigen, was den breitesten Menschenmassen aus dem neueren Geistesleben wie in Fleisch und Blut übergegangen ist. Ungeheuer viel wird die Menschheit lernen müssen. In bezug auf vieles wird sie Umwertungen vornehmen müssen.

Read this passage in another edition
DEoriginalENEnglish
Raw JSON: /v1/steiner/de/ga/194/1919-11-21/p039.json
Cite: GA 194/1919-11-21/p039 · edition original