Dritter Vortrag
Sie müssen, um sich vielleicht die Sache noch klarer zu machen, einmal Ihre Seelenblicke richten auf etwas anderes, was uns Menschen auch sogar über die ganze Erde hin zusammenführen kann, wenn es einmal über die ganze Erde hin sich verbreitet. Das ist der Christus-Impuls. Aber der Christus-Impuls ist etwas anderes als der Intelligenz-Impuls. Der Intelligenz-Impuls hat etwas Zwingendes. Sie können nicht die Intelligenz der Menschheit zu Ihrer persönlichen Angelegenheit machen. Sie können nicht plötzlich sich entschließen, irgend etwas, was durch Intelligenz zu entscheiden ist, persönlich zu entscheiden, ohne daß Sie eben herausfallen aus dem sozialen Leben der Menschheit als wahnsinnig. Aber Sie können auf der anderen Seite auch wiederum kein anderes Verhältnis zu dem Christus-Impuls gewinnen, als ein persönliches. Es kann niemand im Grunde genommen dem anderen hineinsprechen in das Verhältnis, in das der andere sich zu Christus versetzen will. Das ist eine persönliche Angelegenheit letzten Endes. Aber dadurch, daß der Christus durch das Mysterium von Golgatha gegangen ist und mit der Erdenentwickelung sich verbunden hat, ist es so, daß, wenn ganz unabhängig voneinander noch so viele Menschen den Christus-Impuls zu ihrem persönlichen machen, so wird er ganz von selber der gleiche. Das heißt: die Menschen werden zusammengeführt durch etwas, was jeder für sich macht, nicht zwangsweise, wie durch die Intelligenz, sondern dadurch, daß eben durch den Christus-Impuls selber sich das Verhältnis in jedem Menschen zu dem Christus so bildet, daß es bei jedem Menschen, indem es sich in der richtigen Weise bildet, dasselbe ist. Das ist der Unterschied zwischen dem Intelligenz-Impuls und dem Christus-Impuls. Der Christus-Impuls kann über die ganze Menschheit hin gleich sein und ist doch für jeden einzelnen eine persönliche Angelegenheit. Die Intelligenz ist nicht eine persönliche Angelegenheit.
Cite:
GA 194/1919-11-23/p010 · edition original