Dritter Vortrag

GA 194/1919-11-23/p031 ·1919-11-23 · original (original)
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Wir reden davon, daß durch das Mysterium von Golgatha der Christus-Impuls in die Erdenentwickelung, zunächst in die Menschheitsentwickelung eingezogen ist, mit ihr nun verbunden ist. Die Leute sagen, sie sehen ihn nicht. Ja, sie können ihn solange nicht sehen, solange sie sich über den Menschen selber täuschen, solange sie etwas ganz anderes als den Menschen anschauen, als der Mensch wirklich ist. In dem Augenblicke, wo das nicht eine Theorie ist, sondern lebendig empfundene Wirklichkeit der Seele ist, die uns befähigt, in dem Menschen ein Übersinnliches zu sehen, in dem Augenblicke erziehen wir in uns die Fähigkeit, den Christus-Impuls mitten unter uns überall wahrzunehmen, aus unserer Überzeugung heraus überall sagen zu können: Sucht ihn nicht durch äußere Gebärde, er ist überall unter euch. -— Aber die Menschheit müßte auch die Bescheidenheit und Demut entwickeln, daran zu glauben, daß zu dem Heranerziehen eines solchen Bewußtseins, das im Menschen von vornherein überall ein übersinnliches Wesen sieht, wirklich etwas gehört. Wenn man sich es theoretisch sagen kann, so ist damit eben noch nichts getan. Erst wenn man wirklich nicht glaubt, es empfindungsgemäß als eine Absurdität ansieht, daß dasjenige, was einem da begegnet, der wirkliche Mensch ist, erst dann ist man in der Seelenverfassung drinnen, die ich eigentlich meine.

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Cite: GA 194/1919-11-23/p031 · edition original