{"corpus":"steiner","locus":"GA 194/1919-11-23/p034","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"In bezug auf unsere eigene Seelenverfassung können wir uns sagen: Wir müssen von einem gewissen Irrtum zurückkommen. Ich möchte Sie nicht allzu sehr belasten mit engen Abstraktionen, philosophischen Weltanschauungen, aber auf das muß ich Sie doch aufmerksam machen, weil es ein Symptom für die neuere Menschheitsentwickelung ist, daß in der Morgenröte der neueren Zeit zum Beispiel ein solcher Philosoph wie Cartesins gelebt hat. Er hat noch etwas gewußt von dem Geistigen, das zum Beispiel durch das absterbende menschliche Nervensystem spielt. Aber er hat zu gleicher Zeit den Satz ausgesprochen: Ich denke, also bin ich. -— Das ist das Gegenteil von der Wahrheit. Indem wir denken, sind wir nicht, denn im Denken haben wir nur das Bild des Wirklichen. Wir hätten vom Denken nichts, wenn wir mit dem Denken in der Wirklichkeit darinnen steckten, wenn das Denken nicht bloß ein Spiegelbild wäre. Wir müssen uns bewußt werden des Spiegelcharakters unserer Vorstellungswelt, des Spiegelcharakters unserer Gedankenwelt. In dem Augenblicke, wo wir uns dieses Spiegelcharakters bewußt werden, werden wir appellieren an einen anderen Quell der Wirklichkeit in uns. Von diesem will uns Michael sprechen. Das heißt, wir müssen versuchen, unsere Gedankenwelt in ihrem Spiegelungscharakter zu erkennen, dann werden wir der luziferischen Entwickelung entgegenarbeiten. Denn die hat alles Interesse daran, Substanz hineinzugießen, und den trügerischen Schein vorzuspiegeln, als ob Substanz in unserem Denken wäre. Es ist nicht Substanz, es ist bloß Bild darinnen. Wir werden die Substanz aus etwas anderem holen, aus tieferen Schichten unseres Bewußtseins. Das ist das eine. Wir brauchen nur das Bewußtsein, daß unsere Gedanken uns schwach machen, dann werden wir an die Stärke des Michael appellieren, denn der soll der Geist sein, der uns auf dasjenige in uns weist, was stärker ist in uns als der Gedanke, während wir gelernt haben durch die neuere Zivilisation, vorzugsweise auf den Gedanken zu sehen und dadurch schwache Menschen geworden sind, weil wir den Gedanken selbst für etwas Wirkliches gehalten haben. Wenn wir auch noch so von der bloßen abstrakten Intelligenz uns wegwenden, wir tun es nur zum Scheine, wir sind unter der furchtbaren Sklavenknute der Intelligenz als moderne Menschen und senden nicht aus den tieferen Schichten unseres Wesens hinein in die Gedanken selber dasjenige, was drinnen sein soll.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Dritter Vortrag","site_heading":null,"date":"1919-11-23","location":null,"word_count":365,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/194/1919-11-23/p034","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/194/1919-11-23/p034"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/194/1919-11-23/p034","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}