Elfter Vortrag
Ich möchte heute noch, zum Teil mehr ins Allgemeine gehend, einiges besprechen in Anknüpfung an das gestern und vorgestern Gesagte. Auch aus jenen beiden Betrachtungen werden Sie ja entnehmen können, daß Geisteswissenschaft, wie sie hier gedacht wird, herausgeboren sein soll aus den tiefsten und ernstesten Forderungen der Menschheitsentwickelung in unserer Zeit und für die nächste Zukunft. Ich habe es ja oft erwähnt, daß es sich hier nicht um solche Ideale handelt, die aus der Subjektivität des Menschen entspringen, sondern um dasjenige, was abgelesen wird der geistigen Entwickelungsgeschichte der Menschheit. Und dieser geistigen Entwickelungsgeschichte der Menschheit kann man wahrhaftig ablesen, daß die Wissenschaft der Initiation, also die Wissenschaft, die ihre Erkenntnisse herüberholt von jenseits der Schwelle zur geistigen Welt, für die Weiterentwickelung der Menschheit durchaus nötig ist. Gegen alles, was für eine wirkliche Erkenntnis der geistigen Welt heute geltend gemacht werden kann, lehnen sich aber auch diejenigen Mächte auf, die das Alte vertreten. Und die Auflehnung jener Menschen, in denen gewissermaßen die Mächte des Alten leben, sie muß überwunden werden. Das Wort von der Notwendigkeit des Umlernens und Umdenkens in bezug auf die wichtigsten Angelegenheiten der Menschheitsentwickelung, es muß gründlich und ernst verstanden werden. Deshalb möchte ich Sie bitten, gerade darauf Wert zu legen, daß unsere Tendenz darauf gehen müsse, alles bloß Sektiererische, das auch noch in dem anthroposophischen Gemüt wuchert, zu überwinden und die Welt- und Menschheitsbedeutung der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft wirklich zu sehen.
Cite:
GA 194/1919-12-14/p003 · edition original