Elfter Vortrag

GA 194/1919-12-14/p004 ·1919-12-14 · original (original)
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Die Menschen sind heute noch lange nicht erwacht aus dem Schlafe, in den sie eingehüllt worden sind durch jene Entwickelung, die ich Ihnen ja auch in gewissen Grundzügen schon geschildert habe, die begonnen hat um die Mitte des 15. Jahrhunderts. Gewiß, was da der Menschheitsevolution einverleibt worden ist, die äußerliche Naturwissenschaft mit ihren großen Triumphen, die materialistische Auffassung der Weltgesetzmäßigkeit und damit die ja heute so klar zutage tretenden irrtümlichen sozialen Ideen, das alles, was von dieser Seite her die Menschheit in den Schlaf gehüllt hat, das wirkt mächtig fort. Und ein gedeihlicher Fortschritt wird nicht möglich sein, ohne die Menschheit aus diesem Schlafe aufzurütteln. Vergessen wir nur ja nicht, daß die Erkenntnis des Geistigen mächtige Feinde hat an all denjenigen, welche vor allen Dingen das fortgesetzt wissen wollen, was sie gewöhnt worden sind zu denken, fortgesetzt wissen wollen aus der reinen Denkbequemlichkeit heraus. Man kann nicht sagen: Wenn von dieser Seite her Feindlichkeit und Gegnerschaft gegen die Geisteswissenschaft, wie sie hier gemeint ist, um so mehr sich erhebt, je mehr diese Geisteswissenschaft bekannt wird, dann solle man nicht diese Hemmnisse berücksichtigen. Gewiß, es könnte eine mögliche Anschauung sein, ganz unberücksichtigt zu lassen, was sich so erhebt. Allein, das wäre ein ganz falscher Gedanke in unserer heutigen Zeit, denn man läßt ja auch nicht unberücksichtigt dasjenige, was sich etwa als Ungeziefer an uns heranmacht, sondern man versucht es von sich aus zu entfernen und manchmal muß man es entfernen auf unsanfte Weise. Das ist etwas, was von Fall zu Fall selbstverständlich entschieden werden muß.

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Cite: GA 194/1919-12-14/p004 · edition original