{"corpus":"steiner","locus":"GA 194/1919-12-14/p014","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das Überschreiten der Schwelle, das kann ja natürlich heute nicht jeder leisten. Denn der Mensch ist gewöhnt worden im Laufe der letzten Jahrhunderte, alles dasjenige, was ihm entgegentritt, so zu betrachten, daß es sich in der Zeit abspielt. Aber das erste, was erfahren wird jenseits der Schwelle, das ist, daß es eine Welt gibt, in der die Zeit, wie wir sie auffassen, keine Bedeutung hat. Heraus muß man aus dem zeitlichen Vorstellen. Deshalb ist es so nützlich, wenn Menschen, die sich vorbereiten wollen zum Verständnisse der geistigen Welt, wenigstens damit beginnen, rückwärtsgehend vorzustellen. Sagen wir, ein Drama, das äußerlich ja beginnt mit dem ersten Akt und zum fünften fortschreitet, von rückwärts angefangen bis zum Anfang hin des ersten Aktes vorzustellen; eine Melodie nicht in der Aufeinanderfolge, wie sie gespielt wird, sondern die Töne rückwärts verlaufend vorzustellen und zu empfinden, das Tageserleben nicht vom Morgen bis zum Abend, sondern rückwärts verlaufend vom Abend bis zum Morgen vorzustellen. Dadurch gewöhnen wir unser Denken ernstlich an das Aufheben der Zeit. Wir sind gewöhnt dem alltäglichen Leben gegenüber, die Dinge so vorzustellen, daß nach dem ersten das zweite, nach dem zweiten das dritte, nach dem dritten das vierte und so weiter geschieht (die Zahlen werden angeschrieben), und wir denken immer so, daß unser Denken das Bild des äußeren Geschehens ist. Fangen wir nun einmal an, so zu denken, daß wir von rückwärts nach vorne denken, von rückwärts nach vorne empfinden, dann müssen wir uns einen innerlichen Zwang antun, und dieser Zwang ist gut, denn dieser Zwang zwängt uns hinaus aus der gewöhnlichen Sinneswelt. Die Zeit verläuft von eins, zwei, drei, vier und so weiter in dieser Richtung (Pfeil nach rechts). Wenn wir umgekehrt denken, statt vom Morgen bis zum Abend vom Abend bis zum Morgen, so denken wir der Zeit entgegen (Pfeil nach links). Wir heben die Zeit auf.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Elfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1919-12-14","location":null,"word_count":305,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/194/1919-12-14/p014","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/194/1919-12-14/p014"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/194/1919-12-14/p014","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}