Elfter Vortrag

GA 194/1919-12-14/p019 ·1919-12-14 · original (original)
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Wenn ich Ihnen nur diese erste Erfahrung des Erlebens jenseits der Schwelle wiederum vor das Geistesauge rufe, so wird Ihnen lebendig bewußt sein, daß ja in wenigen Menschen heute der innerlich starke Mut vorhanden ist, um gewissermaßen in das Bodenlose und Zeitlose sich auch erfahrungsgemäß zu begeben. Aber durch ihr Schicksal sind gewisse Menschen dazu verbunden, die Schwelle zu überschreiten. Und ohne die Weisheit, die herübergeholt werden kann von jenseits der Schwelle, ist nicht weiterzukommen. Sie fühlen daraus, was notwendig ist. Notwendig ist, daß in der Zukunft vergrößert werde dasjenige, was man Vertrauen des einen Menschen zum anderen nennen kann. Es wäre eine soziale Tugend, eine soziale Grundtugend. In unserer Zeit der sozialen Forderungen ist diese Tugend am wenigsten vorhanden, denn die Menschen fordern, daß für die Gemeinschaft gelebt werde, aber keiner hat das Vertrauen zum anderen. In unserer Zeit der sozialen Forderungen walten die allerunsozialsten Instinkte. Notwendig wird es sein, damit die allgemeine Menschheitserziehung so vorwärtskomme, daß die Menschen in die geistige Welt hineinwachsen, notwendig wird es sein, daß denjenigen, die von der Wissenschaft der Initiation mit Recht reden dürfen, Vertrauen entgegengebracht werde, nicht Vertrauen aus blindem Autoritätsglauben heraus, sondern aus gesundem Menschenverstand. Denn man kann immer einsehen, was als Kunde gebracht wird von jenseits der Schwelle, wenn man nur den gesunden Menschenverstand wirklich anwenden will.

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Cite: GA 194/1919-12-14/p019 · edition original