Elfter Vortrag

GA 194/1919-12-14/p024 ·1919-12-14 · original (original)
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Wenn jetzt jemand mit der Logik der Gegenwart kommt, die alles hübsch einschachtelt, die gern Systeme macht, so sagt er: Uns ist heute gesagt worden, das Denken, das ist die Kraft, die aus dem vorgeburtlichen Leben hereinspielt, das Wollen, das ist die Kraft, die in das nachtodlicheLeben hineinweist. Nun hat man definiert, hübsch auseinandergeschält durch Definition Denken und Wollen. Aber mit Definitionen ist nichts gegeben. Man sieht gewöhnlich nicht das Ungenügende einer jeden Definition. Es sind ja manche Definitionen, besonders solche, die als wissenschaftlich gelten, sehr gescheit sich ausnehmend, aber alle haben sie irgendwo einen Haken, der einen erinnert an jene Definition, welche im alten Griechenland einmal gegeben worden ist auf die Frage: Was ist der Mensch? — Der Mensch ist ein zweibeiniges Wesen, das keine Federn hat —- worauf am nächsten Tag ein Schüler einen gerupften Hahn gebracht hat und sagte, das ist ein Mensch, denn es ist ein zweibeiniges Wesen, das keine Federn hat. — Er hat ihn vorher sorgfältig gerupft. So einfach liegen die Dinge nämlich nicht, daß man sie mit dem gewöhnlichen Intellektwerkzeuge so handhaben kann. Denn, sehen Sie, man kann ganz schön sagen: Von dem, was wir erfahren als Denken, müssen wir behaupten, es habe seine wahre Wesenheit vor der Geburt und in uns herein spielt nur etwas wie ein Spiegelbild vom Denken. — Hier liegt eine gewisse Schwierigkeit vor. Sie werden sie aber bei einer geringen Denkanstrengung überwinden.

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