Elfter Vortrag

GA 194/1919-12-14/p028 ·1919-12-14 · original (original)
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Nun aber kommt das Eigentümliche, woraus Sie ersehen müssen, wie wenig das bequeme alltägliche Denken genügt, um in die Wirklichkeit hineinzukommen. Man hat das Wesen des Denkens erfaßt. Aber wenn wir dieses Wesen des Denkens in uns erfassen, so müssen wir uns zugleich sagen: Dieses Denken ist nicht bloß Denken, sondern in diesem Denken ist auch eine Kraft des Wollens. Mit demselben inneren Wesen, mit dem wir denken, wollen wir zugleich. Es ist nur in der Hauptsache Denken, es hat einen Unterton des Wollens, ebenso hat aber unser Wollen einen Unterton des Denkens. Wir haben in der Tat zweierlei in uns: Etwas, was hauptsächlich Denken ist, was aber einen Unterton des Wollens hat (in das auf Seite 204 begonnene Schema wird neben das Wort Denken in Klammern Wollen geschrieben); etwas, was hauptsächlich Wollen ist, was aber einen Unterton des Denkens hat (neben das Wort Wollen wird in Klammern Denken geschrieben). Wenn Sie die Wirklichkeit betrachten, so kommen Sie nicht zu reinlichen Begriffen, die Sie einschachteln können in Systeme, sondern das eine ist immer zu gleicher Zeit in einem gewissen Sinne das andere. Erst wenn man diese Dinge durchdringt, dann bekommt man eine Anschauung von gewissen Zusammenhängen des Menschen mit Welten, die außerhalb derjenigen sind, die wir mit unseren Augen sehen und mit unseren Ohren hören, in denen wir aber nicht minder drinnen sind, als in dieser Welt der Sinne. Wir können nicht sagen, daß uns andere Welten als die Sinnenwelt nichts angehen, wir sind mitten in ihnen drinnen. Wir müssen uns klar sein, daß, indem wir hier auf diesem Erdboden herumgehen, wir durchaus ebenso, wie wir durch die sinnliche Luft gehen, durch die geistigen Welten gehen.

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Cite: GA 194/1919-12-14/p028 · edition original