Fünfter Vortrag

GA 196/1920-01-17/p020 ·1920-01-17 · original (original)
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Nun darf eine gewisse Erziehung, die die Menschheit durchgemacht hat, nicht abreißen, sie ist aber heute schon dank einer ganz verfehlten Theologie im Abreißen. Sie können diese Erziehung verfolgen, wenn Sie nicht jene Fable convenue studieren, die man gewöhnlich «Geschichte» nennt, sondern wenn Sie die wirkliche Geschichte studieren. Die Menschen wissen ja heute eigentlich gar nicht, wie das, was man mit bestimmten Worten bezeichnet, sich im Laufe der Zeit geändert hat. Die Leute reden von Katholizismus, von Kaisertum, von Aristokratie, von Bürgertum und glauben, wenn sie dieselben Worte im 14. Jahrhundert finden, so bedeuten sie ungefähr dasselbe, vielleicht nur mit einer kleinen Nuance etwas anderes. Solange man nicht darüber sich klar ist, daß das, was im 14. Jahrhundert Katholizismus, Kaisertum, Bürgertum, Aristokratie bedeutet hat, gar nichts mehr mit dem gemein hat, was wir heute mit diesen Worten bezeichnen, so lange kennt man die Geschichte nicht. Man muß sich durchaus klar sein, wie die Seelenverfassung der Menschen sich im Laufe von wenigen Jahrhunderten wirklich stark verändert hat.

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