{"corpus":"steiner","locus":"GA 196/1920-02-08/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nun traten aber unter diesen Bevölkerungen bedeutungsvolle Unterscheidungen auf, und die Nachwirkungen dieser Unterscheidungen sind noch immer da. Die Nachwirkungen dieser Unterscheidungen kann man noch verstehen, wenn man sich folgendes sagt: Es gab gewisse Bevölkerungsteile, welche vom atlantischen Kontinente nach Osten wanderten. Wir wollen von Amerika jetzt absehen, das allerdings damals auch bevölkert wurde vom atlantischen Kontinent aus, aber wir wollen davon absehen. Es zogen also gewisse Bevölkerungsteile nach Osten. Eine Anzahl derselben zog weithin nach Asien, und es entstanden unter den Bevölkerungen, die auf diese Weise von Westen nach Osten gezogen waren, jene Kulturen, die wir bezeichnet haben als altindische Kultur, als altpersische Kultur, als altägyptisch-chaldäische Kultur, dann als die griechisch-lateinische Zeitkultur, und jetzt in Europa die fünfte nachatlantische Kultur, in der wir selber drinnen leben, welche um die Mitte des 15. Jahrhunderts begonnen hat. Aber diese Kulturen entstanden ja auf die folgende Art: Gewisse Bevölkerungsteile fanden sich durch ihre Seelen- und Körperkonstitution eben veranlaßt, am weitesten zu ziehen nach Asien hinüber, andere blieben zurück in Europa. Es haben später allerdings jene Wanderungen stattgefunden, von denen auch die äußere Geschichte redet, durch die wiederum gewisse Bevölkerungsteile Asiens herüber nach Europa gezogen sind. Aber das, was jetzt die europäische Bevölkerung bildet, ist zwar zum Teil, aber nicht etwa bloß die Nachkommenschaft von dem, was später wiederum aus Asien herübergezogen ist, sondern was heute Europa bevölkert, ist auch die Nachkommenschaft dessen, was früher ursprünglich zurückgeblieben ist bei der Wanderung von dem atlantischen Kontinente nach dem Osten. Und vieles von dem, was in europäischen Menschen lebt, führt zurück in Körper- und Seelenkonstitutionen, welche dadurch zu erklären sind, daß mit ihnen behaftet waren eben die Menschen, die zurückgeblieben waren in Europa, die nicht hinübergezogen waren nach Asien. In Europa haben wir es eben durchaus mit einem Zusammenfließen der allerverschiedensten Bevölkerungselemente zu tun. Daß aber gewisse Teile der Bevölkerung nach Asien hinübergezogen, andere in Europa zurückgeblieben sind, das bewirkte einen bedeutsamen Unterschied, eine bedeutsame Differenzierung der europäisch-astatischen Bevölkerung. Diejenigen Bevölkerungen, die ursprünglich im 8., 7., 6. Jahrtausend in Asien bereits eingewandert waren, waren so geartet, daß sie die menschliche Geisteskultur, die sich ausbreiten konnte, sehr stark in das seelische Element hereinnahmen. Jetzt noch kann man es an der Bevölkerung Asiens, die ja in gewisser Beziehung verkommen ist, bemerken, daß diese Bevölkerung das geistige, auch das verstandesmäßige Element ausgebildet hat wesentlich im seelischen Teil. Man kann sagen, und das ist nicht bildlich gesprochen, sondern ist eigentlich die volle Wahrheit: Diese östliche Bevölkerung, deren hervorragendstes Glied die asiatische Bevölkerung ist, hat den Körper wenig an ihrer Entwickelung teilnehmen lassen. Alles dasjenige, was ersonnen worden ist, was gelebt hat und bis zu einem gewissen Grade auch in der Dekadenz noch in der Kultur Asiens lebt, ist wenig von körperlichen Eigenschaften des Menschen abhängig, es ist stark von seelischen Eigenschaften abhängig. Daher konnte in diesem Asien jene heute durchaus nicht mehr so bestehende, aber auch, weil die historischen Dokumente nur weniges darüber aussagen, heute nicht gewürdigte geistige Kultur entstehen, die eigentlich nur derjenige bewundern kann, der sich so recht hineinzuversetzen vermag in jene ungeheuren geistigen Tiefblicke, welche einmal vor Jahrtausenden die asiatische Bevölkerung hat tun können.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zwölfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-02-08","location":null,"word_count":518,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/196/1920-02-08/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/196/1920-02-08/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/196/1920-02-08/p006","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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