Zwölfter Vortrag
Da diese Tatsache besteht, wenden sich diejenigen, die heute im Traditionell-Alten verbleiben wollen - und Sie wissen, wie zahlreich sie sind, denn ich habe Ihnen immer von Zeit zu Zeit die häßlichen Angriffe, die von jener Seite kommen, mitgeteilt —, mit besonderer Giftigkeit gegen die Wahrheit, die aus der Geisteswissenschaft heraus verkündet wird, daß man es zu tun habe mit einem kosmischen Christus, mit einem Christus, der nicht bloß irdisch, sondern kosmisch ist. Es ist ja sonderbar, aber es ist trotzdem so, daß es zum Beispiel die römischkatholische Klerisei und den Jesuitismus am allermeisten ärgert, daß Geisteswissenschaft von einem kosmischen Christus spricht. Es isteinmal so, daß eine Scheidung der Geister heute eintritt. Und demgegenüber sollte man nicht die Augen verschließen; demgegenüber sollte man gerade die Augen öffnen. Um alles dasjenige, was für die Menschheit einzurichten ist, miteinrichten zu können an dem kleinsten Platze, auf dem man steht, ist es heute notwendig, daß man Einsicht hat in die großen Verhältnisse des Lebens.
Cite:
GA 196/1920-02-08/p022 · edition original