Vierzehnter Vortrag
Gewiß, so empfinden viele Menschen der Gegenwart, und es ist die Kultur sehr, sehr dafür, daß sie am liebsten alles dasjenige, was geltend machen will von der Gegenwart an diese Erkenntnis, verschlafen möchten, daß sie nicht wach werden möchten gegenüber diesen Erkenntnissen. Aber die Menschenentwickelung wird sich nicht führen lassen in die Zukunft hinein, ohne solche Erkenntnisse zu haben. Denn es ist tief richtig, daß im menschlichen Organismus, im physischen, im seelischen, im geistigen Organismus alles durcheinander wirkt; aber man muß doch auch die Dinge unterscheiden können. Wie da die oberen Fähigkeiten schematisch aufgezeichnet werden konnten, von der Sinnestätigkeit einrückend bis zur Erinnerung, so kann ich jetzt die unteren speziell auf der Erde gebildeten Fähigkeiten hier einzeichnen (siehe Zeichnung Seite 213). Das muß ich dann in der folgenden Weise tun: Ein etwas tieferes Rot- ich habe hier die Unterschiede leider nicht - würde unserem Fühlen entsprechen. Aber dieses Fühlen, das erstreckt sich in die Intelligenz, in die Sinnestätigkeiten überall hinein, auch durch das Gedächtnis hindurch. Ich müßte dann, wenn ich die Begierdentätigkeit zeichne, ein eigentliches Rotviolett zeichnen. Und wollte ich das Wollen, so wie es heute ist, zeichnen, so müßte ich ein Blaugrün zeichnen. So daß der Mensch ein Doppelwesen ist, ein oberer Mensch (Kreis oben), der im wesentlichen Erkennender ist, und ein unterer Mensch (Kreis unten), der im wesentlichen Begehrender ist, Fühlen und Wollen als die beiden Pole des Begehrens betrachtet.
Cite:
GA 196/1920-02-14/p014 · edition original