Vierzehnter Vortrag

GA 196/1920-02-14/p015 ·1920-02-14 · original (original)
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Nun wirkt in der Tat beim Erdenmenschen dasjenige, was der untere Mensch ist, in den oberen Menschen hinein, sowohl das Wollen, wie das Begehren, wie das Fühlen, wirken in den oberen Menschen hinein (Pfeil aufwärtsgehend T). Mit andern Worten, unsere Sinnestätigkeit ist eine solche, daß wir in ihr haben alles dasjenige, was aus der dumpfen Intuition des alten Saturn nach und nach geworden ist. Aber würden wir in uns durch unsere Augen, durch unsere Ohren, nur dasjenige tragen, was aus der dumpfen Intuition des alten Saturn kommt, so wären wir recht trockene Wesen. Wir nähmen, wie durch automatisch wirkende Sinne, die äußere Welt wahr. Wir dächten nüchtern und trocken über diese äußere Welt, und wir erinnerten uns ohne Wärme an dasjenige, was wir erlebt haben. Daß wir dasjenige, was wir erlebt haben, als unsere eigene Angelegenheit erleben, daß wir gewissermaßen nicht bloß in unsere Erlebnisse hineinblicken mit Gleichgültigkeit und uns an sie erinnern, unser persönliches Leben wie die einzelnen Steine eines Kaleidoskops anschauend, das macht, daß in unsere erinnerten Gedanken, in unser intelligentes Wesen, in unsere Sinneswahrnehmungen, unser Fühlen, Begehren und Wollen aufsteigen. Indem wir die Dinge äußerlich anschauen, gefallen sie uns. Sie gefallen uns durch unser Begehren, durch unser Fühlen oder durch unser Wollen. Indem wir denken, denken wir nicht bloß nüchtern und trocken, sondern wir bringen einen gewissen Enthusiasmus in unsere Ideen hinein. Den würden wir nicht hineinbringen, wenn wir nur dasjenige hätten, was uns die Sonne als Intelligenzkraft gegeben hat, den haben wir in unserem Denken dadurch drinnen, daß uns die Erde ausgestattet hat mit Wollen, Begehren und Fühlen, wenn diese auch jetzt embryonal sind. Ebenso auch bei der Erinnerungsfähigkeit. In unsere oberen Seelenfähigkeiten spielen immer diejenigen hinein, die man einem alten Gebrauche gemäß die unteren Fähigkeiten nennt, weil sie mehr an den Leib gebunden sind. Das wollen wir zunächst festhalten. In unsere oberen Seelenfähigkeiten, die uns wie ausgetrocknete Därme in die Welt hineinstellen würden, wenn sie bloß dasjenige wären, was sie durch Saturn, Sonne und Mond geworden sind, leuchten und glühen die unteren Seelenfähigkeiten, das Wollen, Begehren und Fühlen hinein, und wir werden warme, fühlende Menschen, auch wenn wir denken. Es gibt allerdings heute eine ganze Menge von Menschen, die Objektivität dadurch anstreben, daß sie aus ihrer Intelligenz das Fühlen, das Begehren herauswerfen; aber das ist entweder bloß eine Illusion, wenn die Leute glauben, daß sie aus der Sinnestätigkeit, der Intelligenz und der Erinnerung die niederen Seelenfähigkeiten herauswerfen können, oder wenn man sie wirklich herauswirft - zu einem gewissen Teile kann man das ja nur —, dann wird man aber auch danach! Es gelingt nämlich immer nur bis zu einem gewissen Grade, die unteren Seelenfähigkeiten aus den oberen herauszuwerfen. Man kann sie zum Beispiel herauswerfen, wenn man auf das Katheder tritt und den Füchsen und andern, späteren Studenten allerlei Wissenschaften auseinandersetzt. Da kann man aus der Intelligenz herauswerfen die niederen, die eigentlich irdischen Seelenfähigkeiten. Aber man kann sie nicht ganz herauswerfen. Kommt man dann von seinen Philosophien nach Hause und schmeckt einem das Mittagsmahl nicht, dann durchziehen reale Begierden und Gefühle, indem man über dasjenige, was die Hausfrau bereitet hat, schimpft, die Intelligenz, und namentlich auch die Sinnestätigkeit des Geschmacks, des Geruchs und so weiter. So besteht manchmal ganz durcheinander in dem Menschen der trockene Philister, der aus seinen oberen Seelenfähigkeiten die niederen herausgeworfen hat, und der recht sehr des Enthusiasmus fähige Mensch, wenn ihm irgend etwas verpfeffert oder versalzen oder gar angebrannt oder sonst in irgendeiner Weise nicht richtig gekocht ist!

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