Vierzehnter Vortrag
Wenn Sie alles dasjenige mit einem geistigen Blicke umfassen, was man die soziale Welt nennt, sie ist ganz das Ergebnis von Wollen, Begehren und Fühlen der zusammenlebenden Menschen. Und dasjenige, was wir fühlend erleben als Menschen, was Menschen voneinander und von der Natur begehren und was gehandelt wird aus dem Wollen heraus, das ist eigentlich Außenwelt. Indem wir begehren, gehören wir viel mehr, als wir glauben, der sozialen Ordnung an. Wir werden zu begehrenden Wesen gemacht durch unsere Stellung in der sozialen Welt, und unser Wollen greift überall so in die soziale Welt ein, daß dasjenige, was in der sozialen Welt geschieht, aus unserem Wollen heraus geschieht. Daher lebt in dem, was wir soziale Lebensordnung nennen, ein selbständiges Leben das, was Menschen fühlen, begehren und wollen. Die heutige Sozialdemokratische Partei sagt: Dasjenige, was da außen lebt, ist das Ergebnis einer Wirtschaft, der wirtschaftlichen Kräfte, wie sie sich entwickeln. — Nein, was da außen lebt, ist die Verobjektivierung von Fühlen, Begehren und Wollen der in Sozietät zusammenlebenden Menschen. Dasjenige, was zuerst im Menschen als Fühlen auftritt, das schafft Zustände, die dann das soziale Leben der Menschen bedingen; ebenso das Begehren und erst recht das Wollen. Aber alles steht in der Menschennatur im Zusammenhange. Da unten sind die Farben eingezeichnet, welche entsprechen dem Fühlen, Begehren und Wollen. Die intelligenten Eigenschaften, die Sinnestätigkeit, die eigentliche Intelligenz, das Gedächtnis wirken hinunter und wirken durch unser Wollen heraus in die soziale Welt (Pfeil unten, nach rechts gehend).
Cite:
GA 196/1920-02-14/p019 · edition original