{"corpus":"steiner","locus":"GA 196/1920-02-14/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Kurz, wie der Physiker aus den einfachen Erfahrungen, die er macht, die komplizierten Erscheinungen der physikalischen Natur begreift, so muß man heute begreifen aus der Menschennatur mit ihren oberen Fähigkeiten: Gedächtnis, Intelligenz und Sinnestängkeiten, ihren unteren Fähigkeiten: Wollen, Begehren und Fühlen - dasjenige, was zu geschehen hat in der Entwickelung der Menschheit. Und derjenige, der sich heute mit aus dem starken, aber leeren Selbstbewußtsein herausgeholten sozialen Wollen und mit dem Tone, den man den Brustton der Überzeugung bei vielen Menschen heute nennt, hinstellt und soziale Ideen entwickelt, der gleicht einem Menschen, der sich hinstellt vor eine Telegraphenanlage, keinen Dunst hat von Elektrizität und Magnetismus, diesen einfachen Tatsachen, und nun aus seiner Nichtkenntnis heraus eine Telegraphenanlage erklärt. Die Menschen, die heute über Soziologie sprechen, die reden zumeist ungefähr aus einem solchen Geiste heraus — wenn es auch für viele Menschen noch so gelehrt klingt -, wie einer, der niemals etwas von dem Wesen der Elektrizität gehört hat und sich in einer Telegraphenstation eine Morseanlage ansieht und sagt: Da drinnen sind eben ganz kleine Reiterchen, die sieht man nicht, die reiten auf die andere Station, man sieht das nur alles nicht. - Und da erklärt er das alles ganz ordentlich. So erklärt der Marxismus die sozialen Tatsachen, so erklären unsere Universitätssoziologen die sozialen Tatsachen. Die Wirklichkeit ergibtsich erst, wenn man die Menschennatur erkennt. Aber die Menschennatur kann man nur erkennen aus der ganzen kosmischen Ordnung heraus. Denn Gedächtnis hängt zusammen mit Außerirdischem, Intelligenz hängt zusammen mit Außerirdischem, Sinnestätigkeit hängt zusammen mit Außerirdischem. Fühlen ist erst etwas, was, nachdem die Erde nicht mehr sein wird, das sein wird, was es werden soll; Begehren und Wollen ebenso in einer noch ferneren Zukunft. So wie man, um Physiker zu sein, die einfache Tatsache der Wärmelehre des Organismus, die einfache Tatsache der Akustik kennen muß, so muß man, um heute mitzureden, und es müssen möglichst viele Menschen mitreden mit Bezug auf soziale Tatsachen, muß man eingehen auf die einfachen elementaren Zusammenhänge zwischen dem Menschenwesen und der Welt, denn dasjenige, was sozial begründet wird, das trägt der Mensch in die soziale Ordnung. Der Mensch aber trägt hier in seiner eigenen Wesenheit das ganze Weltenall herein. Darum steht es auch schlimm um jene Schwätzer, welche aus allerlei alten Überlieferungen heraus davon reden, der Mensch istein Mikrokosmos, eine kleine Welt gegenüber dem Makrokosmos, und die bei diesen Abstraktionen bleiben. Ein wirkliches Recht, von Makrokosmos und Mikrokosmos zu reden, hat erst der, der da weiß, es hat einstmals Vorfahren des Menschen als Mondenmenschen gegeben, die hatten traumhafte Imaginationen. Der Mond ist vergangen, die Erde ist geworden. Aus dem, was nicht mehr da ist, was aber einmal dagewesen ist, ist das menschliche Gedächtnis entstanden. Das hat keinen Erdenursprung. Erdenursprung hat nur das menschliche Ich und sein Ansdruck, der gegenwärtige physische menschliche Körper mit seiner Gestalt. Im Konkreten fassen muß man das, was man sonst kein Recht hat, bloß einen Mikrokosmos zu nennen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierzehnter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-02-14","location":null,"word_count":481,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/196/1920-02-14/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/196/1920-02-14/p026"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/196/1920-02-14/p026","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}