{"corpus":"steiner","locus":"GA 197/1920-07-30/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Es ist nötig, daß ich heute anknüpfe an einiges, das ich schon bei der vorigen Betrachtung hier gesagt habe, weil es ganz besonders wichtig und auch nötig ist, den Zusammenhang des Gesagten mit demjenigen, was ich heute hinzufügen will, besonders zu betonen. Ich habe neulich ausgeführt, daß der Weg, der zur Geisteswissenschaft führen muß, die Anerkennung fordert von zwei Tatsachen. Die eine Tatsache ist diese, daß man sich klarmache aus dem verschiedensten, das aus der Geisteswissenschaft aufgenommen werden kann, wie unmöglich es ist, sich zu denken, Materie, Stoff seien in der den Menschen umgebenden Außenwelt zu finden. Wir sehen durch unsere Augen in die Außenwelt, hören durch unsere Ohren in die Außenwelt und bauen ein gewisses Naturerkennen dann auf, wenn wir dasjenige, was wir sehen und hören und durch die andern Sinne wahrnehmen, durch den Verstand verknüpfen und dann eben meinen, wir wissen etwas über die äußere Natur. Solange man so denkt und glaubt, in dieser äußeren Natur könne man — durch irgendwelche Wissenschaft von ihr — Materie und ihre Gesetze finden, so lange ist man im Irrtum. Und der Irrtum des Materialismus bestand nicht darin, daß er überhaupt von Materie sprach, sondern darin, daß man meinte, Materie und ihre Gesetze, ihr innerliches Gefüge, ihr Wesen in der Außenwelt finden zu können. Daher wird derjenige, der da sagt: Ich will von der Außenwelt nichts wissen, denn die ist ja die materielle Welt; ich will in meinem Inneren mystisch aufsuchen eine geistige Welt —, der wird ebenso zum Materialisten wie derjenige, der einfach diese Außenwelt im materialistischen Sinn interpretiert; denn er glaubt ja, daß in der Außenwelt das Materielle aufzufinden sei. Und darin hauptsächlich besteht der Irrtum der neueren Zeit, daß man in der Außenwelt das Wesen des Materiellen sucht. Darin wird die wesentliche Berichtigung bestehen, daß man in der Außenwelt nicht mehr das Wesen des Materiellen sucht, daß man sich klar darüber ist: wie weit wir auch den Bereich unserer Sinnesbeobachtung dehnen, wir können nirgends etwas finden von dem, was die Materie und ihre innere Struktur, ihre Gesetzmäßigkeit ist. Wir müssen uns klar sein, daß uns in der Außenwelt nur vorliegt dasjenige, was man im Orient Maja nennt, dasjenige, was wir Erscheinungswelt, phänomenale Welt nennen, und daß wir, wohin wir auch blicken, etwas Materielles in dieser Außenwelt nicht finden können.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-07-30","location":null,"word_count":380,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/197/1920-07-30/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/197/1920-07-30/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/197/1920-07-30/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}