Siebenter Vortrag
Daran kann man ermessen, wie umgedacht werden muß, wenn der Niedergang wiederum sich in einen Aufgang verwandeln soll. Man glaubt heute, Materialist oder Idealist oder Spiritualist sei man durch den Inhalt einer Weltanschauung. Das ist nicht der Fall. Man ist noch lange nicht Spiritualist, wenn man sagt, man widmet sich der Betrachtung des Innerlichen und nicht der Betrachtung des Äußerlichen. Denn es könnte passieren, daß man sich seinem Inneren widmet und dann erst recht die Materie beobachtet, nämlich so, wie sie innerlich Flamme wird. Man ist nur auf dem rechten Wege dann, wenn man in innerlicher Gesinnung erfaßt, was ich meine. Wir finden, wenn wir die äußere Wahrnehmungswelt überschauen, nur Phänomene, nur Erscheinungen und nicht etwas, worin diese Phänomene, diese Erscheinungen wurzeln; denn worin sie wurzeln, das liegt innerhalb unserer eigenen Haut. Dasjenige, was wir außen sehen, ist genau so zu bewerten wie dasjenige, was wir am Regenbogen sehen. Wie derjenige falsch sieht, der glaubt, der Regenbogen sei etwas anderes als ein Phänomen, sei etwas, was sich da ausspannt als eine Materialität, so ist im Irrtum auch derjenige, der glaubt — weil die andern ihn umgebenden Wahrnehmungen neben den andern Sinnen auch den Gefühlssinn berühren, während man durch den Regenbogen durchgreifen kann -, es wären die Erscheinungen, die uns umgeben, nicht Erscheinungen, sondern Materialität. Sie unterscheiden sich vom Regenbogen nur dadurch, daß sie auch andere Sinne berühren; aber Materialität ist in ihnen ebensowenig zu finden wie im Regenbogen. Äußerlich ist alles Erscheinung. Dasjenige, worin die Erscheinungen wurzeln, liegt also innerhalb der menschlichen Haut. Innerhalb dieser menschlichen Haut geschehen die Vorgänge, welche die Ereignisse der Erde tragen von einem Zeitalter zu dem andern Zeitalter.
Cite:
GA 197/1920-07-30/p005 · edition original