Siebenter Vortrag
So unwahrscheinlich und paradox es dem Menschen der Gegenwart erscheint, wahr ist es doch, daß dasjenige, was uns heute äußerlich an Phänomenen umgibt, was sich in diesen Phänomenen an Gesetzmäßigkeit zeigt, nicht die äußere Folge desjenigen ist, was ungefähr drei Jahrtausende vor dem Mysterium von Golgatha materiell geschehen ist, sondern die Folge von demjenigen, was drei Jahrtausende vor dem Mysterium von Golgatha in den Leibern der Ägypter, der Chaldäer und so weiter vorgegangen ist. Das ist von innen nach außen getreten. Und was dazumal äußere Welt war, das ist verflogen, ist versunken. In den Leibern der Menschen liegt der Keim für eine Zukunft, die schon nach Jahrtausenden berechnet werden kann. Das ist etwas, was schon aus den äußeren Naturerscheinungen heute vielleicht durch einen kühnen, aber doch durch einen Schluß erkannt werden kann. Die Menschen sprechen von den Eigenschaften des Radiums. Demjenigen, der die geistige Welt durchschaut, kommt dieses Sprechen manchmal so vor, wie wenn Kinder sprechen würden von demjenigen, was dem geistigen Erkennen des Erwachsenen längst aus andern Tatsachen heraus klar war. Die Physik weiß heute, daß das Radium, das auf der Erdoberfläche vorhanden war vor dem Jahre 140 nach Christi Geburt, heute verflogen ist, heute kein Radium mehr ist. Das Radium, das heute vorhanden ist, hat sich erst seit dem Jahre 140 nach Christi Geburt gebildet. Das sind Dinge, die heute schon die Physik lehrt, Dinge, die heute an den Menschen herantreten, um ihn gewissermaßen zu zwingen, endlich abzulassen von demjenigen, was er, als einen Irrtum eben, zur menschlichen Befreiung jahrhundertelang verfolgen mußte.
Cite:
GA 197/1920-07-30/p006 · edition original