{"corpus":"steiner","locus":"GA 197/1920-07-30/p008","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Ebenso ist derjenige, welcher das abstrakt Geistige in seinem Inneren sucht, nicht bloß zu widerlegen; sondern derjenige, der das Geistige sucht auf dem Wege bloßer einseitiger innerer Mystik und nicht daraufkommt, daß er, wenn er durchschaut das Gewebe dieser Mystik, gerade auf die Materialität kommt, der ist auf dem Wege - ich habe es so genannt, wie man es wohl nennen kann, wenn man es von jenseits der Schwelle aus bezeichnet — zur Erkrankung seines Organismus: der Infantilität, der Kindsköpfigkeit. Wenn hier die Schwelle ist zwischen der sinnlichen und der übersinnlichen Welt und der Hüter der Schwelle da steht, so ist diesseits des Hüters dasjenige, was wir hier Genialität nennen; das aber kann mit Recht jenseits der Schwelle Kindsköpfigkeit genannt werden. Denn kommt es in unrichtiger Weise hier in der sinnlichen Welt zum Ausdruck, dann ist es Kindsköpfigkeit durch das ganze Leben hindurch, während Genialität das ist, daß ein gewisser Fond von Kindlichkeit durch das ganze Leben bewahrt ist. Wir gelangen nur dadurch zur Genialität, daß wir bis ins späte Alter hineintragen können die Art der Seele, die sonst im kindlichen Alter vorhanden ist, und das wird in seiner wahren Gestalt von jenseits der Schwelle aus gesehen. Wenn aber einseitig erfolgt jenes Hineintragen der kindlichen Art der Seele in das spätere Alter, wird das, was, richtig hineingestellt in die menschliche Welt, Genialität wird, zur Kindsköpfigkeit. Das ist wiederum etwas, was uns zeigt, wie wir die bloß logischen Begriffe, sobald wir in das Gebiet der Geisteswissenschaft kommen, ersetzen müssen durch reale Begriffe, durch das, was den Menschen nicht bloß zu andern Ansichten bringt, sondern was ihn innerlich seiner organischen Struktur nach verändert.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-07-30","location":null,"word_count":271,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/197/1920-07-30/p008","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/197/1920-07-30/p008"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/197/1920-07-30/p008","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}