Siebenter Vortrag

GA 197/1920-07-30/p011 ·1920-07-30 · original (original)
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Es ist heute, wenn man den bloßen Inhalt nimmt, für jeden törichten Menschen verhältnismäßig leicht, Oswald Spengler zu widerlegen. Das ist nicht schwer, aber darauf kommt es nicht an, sondern darauf, zu sagen, was in Oswald Spengler konkret, real lebt und wodurch er konkret, real überwunden werden kann. Und es wird in der Zukunft immer mehr und mehr darauf ankommen, daß wir, wenn wir eine Persönlichkeit charakterisieren wollen, mehr darauf schauen, was sie vorbringt, als darauf, ob sie gerade das vorbringt, was einem inhaltlich gefällt oder mißfällt. Man muß nicht darauf sehen, ob einem inhaltlich etwas gefällt oder mißfällt, sondern ob es geistige Qualitäten hat. Es ist viel wichtiger für den Gesamteffekt der Weltevolution, daß ein genialer Materialist da ist, der den Materialismus genial vertritt — dazu gehört Geist, und manchmal gehört sehr wenig Geist dazu, um platte Mystik zu vertreten. Der platte Mystiker kann unter Umständen viel mehr zur Vermaterialisierung der Welt beitragen als der geniale Materialist. Auf die Qualitäten des Geistigen kommt es an. Darauf, daß dies erkannt wird, wird es viel mehr ankommen in der Zukunft als auf den Inhalt. Das ist das, was gelernt werden muß; denn wir wollen nicht den Geist anstreben als ein logisches System, sondern in seiner Realität, und da frage ich Sie: Können Sie sich nicht vorstellen, daß Geist lebt in dem geistvollen Materialisten, mehr als in dem platten Spiritualisten? Diese Dinge, die müssen von der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft eingesehen und durchschaut werden; denn auf die Realität des Geistes kommt es an, nicht auf die abstrakte Behauptung des einen oder des andern. Das verkennt man gerade, wie sehr es wirklich ankommt auf Realitäten und nicht auf Theorien!

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Cite: GA 197/1920-07-30/p011 · edition original