Siebenter Vortrag

GA 197/1920-07-30/p012 ·1920-07-30 · original (original)
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Daher müssen wir manche Erscheinung des gewöhnlichen Lebens gerade von dem Gesichtspunkt der geisteswissenschaftlichen Erkenntnis heute ansehen, sonst kommt man mit ihr nicht zur Klarheit. Bedenken Sie einmal, daß wir in der gewöhnlichen Welt, in die wir uns heute hineinleben, im öffentlichen Leben diese oder jene Partei finden. Wir wollen zunächst die gewöhnlichen Parteien ins Auge fassen. Sie wissen, das Trostloseste, das Odeste, das Platteste ist es, was sich in diesen Parteien darlebt; aber mehr oder weniger steht ja heute fast gezwungen jeder darin, der sich nicht ganz zurückziehen will vom äußeren Leben, oder der durch seine Heimatlosigkeit nicht gleich gezwungen ist, nirgends zu wählen, weil es ihm nirgends gelungen ist, das Recht zu wählen zu erlangen; also jeder, der das Recht zu wählen hat, steht heute unter dem Zwang, nach einer bestimmten Richtung hin seine Stimme abzugeben, das heißt, im Sinne dieser Parteien zu wirken. Parteien sind also da. Diese gehen zurück auf bessere Zeiten des Parteilebens, auf das bekannte englische Schaukelsystem der Konservativen Partei auf der einen und der Liberalen Partei auf der andern Seite. Und wir können sagen: In diesen beiden Schattierungen drücken sich gewissermaßen alle Parteien aus, die heute vorhanden sind. Es färbt sich manchmal das Liberale von links mit dem Konservativismus von rechts und der Konservativismus mit dem Liberalismus von links, wie in der Sozialdemokratie, oder es färbt sich der Konservativismus zum Radikalismus, wie wir das ja heute erlebt haben. Aber im ganzen kann man sagen, dieses Musterschaukelsystem Konservativ und Liberal ist dasjenige, worauf unsere Parteien zurückgehen. Ja, das ist das Bild, das man so äußerlich hat. Man erlebt innerhalb dieser Parteibildungen wie jeder zugeben muß — das Allerschlimmste. Aber es ist eben da, und die Frage ist nun: Ja, warum ist es da? Was ist denn das eigentlich? Was sind denn eigentlich Parteien?

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