Siebenter Vortrag
Das ist ein gewichtiges Wort, das ich damit ausspreche, charakterisierend das menschliche Verhältnis zur übersinnlichen Welt. Und es gibt da einen Punkt, wo es, weil es zu sehr ärgerlich ist, heute noch nicht möglich ist, das allerletzte Wort zu sprechen; aber die wenigsten Menschen hier auf der Erde wissen heute, daß alles Folgen von Parteifahnen, von Parteiabstraktionen im Grunde genommen gar keine Realität ist, sondern eine Illusion ist, und daß, wenn man anfängt etwas Realem zu folgen, man eigentlich etwas folgen muß, was sich jenseits der Schwelle befindet in der übersinnlichen Welt. Aber eine Partei können Sie gleich so charakterisieren, daß sie sehr wohl dieses Geheimnis kennt und es auch befolgt. Und daß in dem Karlsruher Zyklus vom Jahre 1911 dieses öffentlich ausgesprochen ist, hat mir den Haß dieser Partei zugezogen. Das sind nämlich die Jesuiten. Die wissen ganz genau: Einem Parteiprogramm folgen — verzeihen Sie, daß ich mich eines in Deutschland gebräuchlichen Ausdrucks bediene -, ist Mumpitz. Man folgt einem Wesen der übersinnlichen Welt! Daher sehen Sie die Jesuitenübungen damit beginnen, daß der Jesuit sich zunächst vorzustellen hat denjenigen, dem er dann als die Kompanie Jesu nachfolgt, für den er eine militärische Korporation bildet. Und wenn ich sage, das letzte Wort kann nicht gesprochen werden, so möchte ich zurückhalten mit demjenigen, was das ist, was da als der «Jesus» getauft wird. Aber es kommt uns darauf an, zu charakterisieren, daß der Jesuitismus eine Partei bildet, indem er einem geistigen Wesen folgt, und daß er also dieses Geheimnis sehr wohl kennt: daß irgendeiner Parteiung zu folgen, die sich erschöpft in einem Programm innerhalb der irdischen Welt, Mumpitz ist. Und die Wirksamkeit des Jesuitenordens beruht darauf, daß er seine Angehörigen zur Gefolgschaft eines geistigen Wesens erzieht. Da heißt es nicht: Irgend etwas ist richtig oder unrichtig —, sondern da heißt es: Es gehört zu der Mission desjenigen geistigen Wesens, dem ich folge; das verteidige ich. Was nicht zu der Mission des geistigen Wesens gehört, dem ich folge, das bekämpfe ich, wenn es auch in logischer Beziehung verteidigt werden kann, denn logisch verteidigt werden können die Inhalte des Ahriman und Luzifer genauso wie die des Christus. Logische Verteidigungen gibt es in ganz gleichwertiger Weise gerade drei.
Cite:
GA 197/1920-07-30/p014 · edition original