{"corpus":"steiner","locus":"GA 197/1920-07-30/p018","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Das ist nur eine Spezialwahrheit dessen, was ich an früherer Stelle gesagt habe. Der Materialismus ist nur darauf gekommen, daß in demjenigen Denken, welches in unserem Kulturzeitraum, namentlich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, im Abendlande üblich geworden ist, das Gehirn denkt. Und was Moleschott, Büchner und der dicke Vogt behauptet haben als Materialismus, das ist nicht einfach damit widerlegt, daß man sagt, das ist falsch, sondern das ist richtig für die Menschheit, die sich immer mehr und mehr, namentlich seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, zum bloßen Materialismus hinwendet. Es ist einfach der abendländische Mensch auf dem Wege, ein Wesen zu werden, das nur noch mit dem physischen Gehirn denkt. Die Propheten dieses physischen Gehirndenkens, Moleschott, Büchner, haben nur verkündet, was aus dem abendländischen Menschen wird. So daß die Materialisten Recht haben mit demjenigen, was sie für den abendländischen Menschen behaupten; es ist nur falsch, wenn sie es für den Menschen überhaupt behaupten. Was sie sagen, ist nur richtig für die Menschen seit der Mitte des 15. Jahrhunderts, aber für diese ist es richtig. Und die Menschen haben sich nun gewöhnt, bloß mit dem Gehirn zu denken; das ist die heute übliche Denk weise. Alles, was in unserer gewöhnlichen Literatur, in unserer ganzen modernen Wissenschaft liegt, ist materielles Denken, ist solches Denken. Da haben die Materialisten schon Recht, und man könnte sagen, daß Büchner, Vogt unkollegial gehandelt hätten gegen ihre materialistischen Kollegen, wenn sie ihnen nachgesagt hätten, daß sie mit dem Geist denken. Das ist ja nicht wahr; sie denken bloß mit dem Gehirn. Da gilt es nicht zu widerlegen, sondern anzuerkennen, daß tatsächlich der Weg zur Materialität nicht bloß eine falsche Weltanschauung ist, sondern etwas, was real wirkt. Deshalb aber sagen diese Menschen auch, wenn so etwas auftritt wie anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft: Diese Gedanken kann man nicht fassen, die kann man nicht begreifen. — Ja, die wollen mit dem Gehirn denken; aber diese Gedanken der Geisteswissenschaft sind mit dem Geistig-Seelischen gedacht, das sich erst losgerissen hat vom Gehirn. Daher müssen die Menschen streben, daß sie durch die Gedanken, die so entstanden sind, selber wieder losreißen ihr Geistig-Seelisches vom Gehirn, indem sie diese Gedanken nachdenken. Die Menschen müssen sich bemühen, die Gedanken nachzudenken, die heute noch bestehende Möglichkeit zu benützen, das Geistig-Seelische loszureißen von dem Materiellen des Gehirns. Denn es ist auf dem Wege, sich an das Materielle des Gehirns zu ketten. Die Menschen müssen sich davon losreißen. Also wir haben es nicht mit einer falschen und richtigen Anschauung zu tun, sondern mit einem Vorgang. Indem die Gedanken der anthroposophisch orientierten Geisteswissenschaft der Welt übergeben werden, rechnet man darauf, daß die Menschen, die noch fähig sind, die alten Möglichkeiten des Losreißens in sich zu handhaben, sie wirklich handhaben und die leibfreien Gedanken zu verstehen suchen, damit ihre Seelen leibfrei werden. Also es ist eine Willenssache, Anthroposophie zu verstehen; es ist etwas, was losreißen soll das Geistig-Seelische von dem Physisch-Leiblichen. Daher stehen wir nicht bloß vor der Aufgabe, eine falsche Weltanschauung zu widerlegen, sondern vor der Tatsache, daß ein großer Teil der Menschheit hineinsegeln will, bloß Materie zu werden und aus ihr heraus zu denken, zu wollen und zu empfinden, und daß wir der Welt als Realität übergeben wollen die anthroposophisch orientierte Geisteswissenschaft, damit Geist.und Seele losgerissen werden von der Materie. Die Menschen sollen vor der Möglichkeit bewahrt werden, ihr Geistig-Seelisches zu verlieren, denn dieses Geistig-Seelische steht vor der Gefahr, ganz und gar in das Ahrimanische hineinzusegeln. Die Menschen stehen vor der Gefahr, das Geistig-Seelische zu verlieren und mit dem Materiellen sich zu verlieren als Menschen, wie ich es Ihnen früher schon geschildert habe, daß das Materielle verschwindet.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Siebenter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-07-30","location":null,"word_count":598,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/197/1920-07-30/p018","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/197/1920-07-30/p018"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/197/1920-07-30/p018","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. 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