{"corpus":"steiner","locus":"GA 198/1920-03-20/p003","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Was heute den Menschen als eine fast unumstrittene Autorität gilt, das ist Wissenschaft, Wissenschaft eben in demjenigen Sinne, in dem diese Wissenschaft heute auf unseren staatlich abgestempelten Lehranstalten getrieben wird. Wir haben öfters über die Geltungsmöglichkeiten dieser Wissenschaft gesprochen, haben auch hingewiesen darauf, wie gerade von dieser Autorität die Menschheit der Gegenwart loskommen müsse. Heute will ich darauf hinweisen, daß es ja eine charakteristische Erscheinung geworden ist — auch erst seit den letzten drei bis vier Jahrhunderten -, als eine von diesen Wissenschaften, die Geltung haben, die Autorität haben, die Medizin zu betrachten. Alles, was mit der Medizin zusammenhängt, ist eben eine Wissenschaft unter den anderen, eine Wissenschaft, welche in ihrem weiteren Verfolge führen soll zum Heilen, zum Heilen des kranken Menschen. Man denkt kaum heute daran, daß dieses Verhältnis von Medizin zu anderen Wissenschaften und zu der Gesamtheit der Wissenschaften sich auch erst in den letzten drei bis vier Jahrhunderten herausgebildet hat. Denn je weiter wir in der Menschheitsentwickelung zurückgehen, desto mehr sehen wir, wie alles, was der Mensch an Wissenschaft, an Erkenntnis ausbilden konnte, mehr oder weniger als medizinisch angesehen wurde, als etwas angesehen wurde, was mit Heilen etwas zu tun hat. Und wenn wir zurückgehen insbesondere in die Entwickelung der okkulten Wissenschaften in älteren Zeiten, so ist mit dem Begriff der okkulten Wissenschaften, der Geheimwissenschaften, der Begriff des Heilens immer verbunden gewesen. Immer hatten mit irgendeiner Art des Heilens die geistigen Wissenschaften etwas zu tun. So daß man damals in älteren Zeiten nicht sagen konnte: Medizin ist eine Wissenschaft unter vielen -, sondern daß man sagte in diesen älteren Zeiten, in denen höchstens das rein Intellektuelle nicht zu dem Okkulten gerechnet worden ist: In aller Wissenschaft, in aller Erkenntnis muß etwas gesucht werden, das zuletzt abzweckt auf ein Heilen des ganzen Menschen. — Man sprach also in dem Sinne, daß man sich diesen Gedanken vor die Seele rückte.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Erster Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-03-20","location":null,"word_count":311,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/198/1920-03-20/p003","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/198/1920-03-20/p003"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/198/1920-03-20/p003","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}