{"corpus":"steiner","locus":"GA 198/1920-03-20/p009","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wenn wir nach unseren heutigen Erfahrungen der Farbenlehre urteilen, so müssen wir sagen: Eine wesentliche Eigenschaft der Griechen war, daß sie blaublind waren, daß sie auch die blaue Nuance in dem Grün nicht gesehen haben, sondern nur die gelbe Nuance. Die ganze Umgebung war für die Griechen viel feuriger, weil sie alles nach dem Rötlichen hin gesehen haben. Bis in diese Art, zu sehen, geht dasjenige, was Entwickelungsmetamorphosen in der Menschheit sind. Wie gesagt, man kann das äußerlich zeigen. Die Geistesschau zeigt es mit aller Deutlichkeit, daß der Grieche sein ganzes Farbenspektrum nach der Rotseite hin verschoben hatte und nicht empfand nach der blauen und violetten Seite hin. Das Violett sah er viel röter, als wir es sehen, als es der heutige Mensch sieht. Würden wir nach unserer heutigen Augenvorstellung die Landschaft malen, die der Grieche gesehen hat, so müßten wir sie eben mit ganz anderen Farben malen, als wir heute gewöhnt sind. Und das, was wir als Natur sehen, kannte der Grieche nicht, und dasjenige, was der Grieche als Natur sah, kennen wir nicht. Die Entwickelung der Menschheit schreitet eben metamorphosisch vorwärts, und das Wesentliche ist, daß die Zeit, in der der Intellektualismus heraufgestiegen ist, in der der Mensch nachdenklich wurde - der Grieche war nicht nachdenklich, der Grieche lebte gegenständlich in der natürlichen Welt —, die gleiche Zeit ist, in der sich umsetzte die Empfindung für die dunkle Farbe, für das Blaue, für das Blau-Violette. Nicht verändert sich bloß das Innere der Seelen, sondern es verändert sich auch dasjenige, was von der Seele in die Sinne hineinlebt.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Erster Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-03-20","location":null,"word_count":259,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/198/1920-03-20/p009","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/198/1920-03-20/p009"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/198/1920-03-20/p009","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}