Erster Vortrag
Unter den mancherlei Gründen, die dazu geführt haben, aus anthroposophisch orientierter Weltanschauung die Idee der «Dreigliederung» zu gebären, sind auch diejenigen, die Sie entnehmen können aus meinen heutigen Auseinandersetzungen, denn diese Idee der Dreigliederung ist eine solche, daß man hinschauen kann in diese Ecke, in jene Ecke, in eine dritte und vierte Ecke der Menschheitsentwickelung — wenn man nur richtig beobachten kann, so ergibt sich für die heutigen, wirklich das Wahre wollenden menschlichen Fähigkeiten die Notwendigkeit dieser Dreigliederung. Diejenigen, die da glauben, mit ihrem bißchen Logik, wenn sie einmal von dieser Dreigliederung hören, irgend etwas nicht gleich verstehen zu können oder es mit irgend etwas in Widerspruch zu finden, die sollten warten, bis sie sich genauer mit der Sache bekanntmachen. Dann werden sie sehen, daß es nicht einen Beweis oder eine Beweisströmung für die Notwendigkeit der Dreigliederung gibt, sondern unzählige. Denn wohin man schaut, überall gibt es Beobachtungen, die unabhängig von den anderen dasjenige beweisen, was ich nennen könnte: notwendiges Auftreten der Idee von der «Dreigliederung des sozialen Organismus» in unserer heutigen Gegenwart. Und eine der allerwichtigsten Ecken ist doch die Erkenntnis, die Erfassung der Menschenwesenheit selber. Aber wo ist denn die heutige Wissenschaft, die so stolz auf ihre Abstraktion ist, geneigt, auf das wirklich Konkrete einzugehen? Noch der Grieche hatte ein deutliches Bewußtsein davon: Wenn er aufsteigen läßt seine Emotionen, so offenbart sich ihm ein Göttliches. -— Wir müssen erlangen die Fähigkeit, herabzuholen aus geistigen Höhen die geistigen Seelenkräfte, und sie müssen uns eine Natur offenbaren, sie müssen uns zeigen, wie die Natur ist. Das heißt, wir müssen uns klarwerden können, daß wir durch äußeres Anschauen die Natur nicht erkennen können, sondern nur mit denjenigen Sinnesorganen, die geschärft sind durch dasjenige, was sich von oben ergibt, mit einem Auge, das geschärft ist durch die Imagination, mit einem Ohr, das geschärft ist durch die Inspiration, mit einem Wärmesinn, der geschärft ist durch die Intuition, durch das selbstlose Erleben der Dinge und Vorgänge, die in unserer Umgebung sind.
Cite:
GA 198/1920-03-20/p018 · edition original