Vierter Vortrag
Ungefähr so lange, als der Christus auf der Erde gewandelt hat, wandelte dann Paulus weiter auf Erden, etwa bis zum siebenundsechzigsten oder achtundsechzigsten Jahre, um selber ebensolange die Lehre von dem Christentum in die Erdenentwickelung einzuführen. Es ist ein merkwürdiger Parallelismus zwischen dem Leben des Christus Jesus und dem Leben des Paulus. Nur daß das Leben des Christus Jesus eben ausgefüllt war von dem inneren Dasein des Christus, daß bei Paulus vorlag ein so starkes initiiertes Nacherleben dieses Ereignisses, daß er in der Lage war, als der Erste der Menschheit die entsprechenden Vorstellungen über das Christentum zu bringen — in einer Zeitlänge, die ungefähr dem Christus Jesus-Leben auf der Erde entspricht. Den Zusammenhang zu betrachten zwischen dem, was für die Erdenentwickelung der Menschheit durch das Christus Jesus-Leben dargelebt worden ist und dem, was durch Paulus über die Christus-Wesenheit gelehrt worden ist, diesen Zusammenhang in der richtigen Weise anzuschauen, bedeutet eigentlich für den Menschen sehr viel. Nur muß man diesen Zusammenhang so erleben, daß er sich wirklich als Ergebnis des übersinnlichen Einflusses darstellt, der auf Paulus ausgeübt worden ist. Und wenn die neuere Theologie sogar so weit gegangen ist, das Ereignis von Damaskus wie eine Art Halluzination, wie eine Art Illusion zu erklären, so bezeugt das eben nur, daß auch die neuere Theologie in den Materialismus eingemündet ist, daß auch die neuere Theologie nicht mehr kennt das Wesen der übersinnlichen Welt und die Bedeutung eines Verständnisses der übersinnlichen Welt für eine richtige Erfassung des Wesens des Christentums.
Cite:
GA 198/1920-04-02/p013 · edition original