{"corpus":"steiner","locus":"GA 198/1920-04-02/p015","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Versuchen wir, in unserer heutigen Sprache uns einiges von dem vor die Seele zu führen, was, wie es scheint, gerade dem Initiaten Paulus von ganz besonderer Wichtigkeit war. Paulus war von ganz besonderer Wichtigkeit der Hinweis auf eine ganz neue Art in bezug auf die Stellung des Menschen zur Weltentwickelung, die durch den Impuls des Christus Jesus gekommen ist. Ihm war wichtig, zu sagen: Die Weltentwickelung, in die einbefaßt waren die alten heidnischen Erlebnisse, ist für den Menschen abgelaufen. Neue Erlebnisse des Seelenlebens des Menschen sind da; sie müssen nur angeschaut werden von den Menschen. - Damit hat Paulus schon hingedeutet auf jenen tiefsten Einschnitt in der menschlichen Erdenentwickelung, auf den man eigentlich, wenn man die wahre Geschichte verstehen will, immer wieder und wieder hindeuten sollte. Wenn wir in die vorchristliche Entwickelung, und zwar in diejenigen Zeiten zurückschauen, welche noch in einer besonderen Weise charakteristisch waren, weil sie die hervorragendsten Eigenschaften des Vorchristlichen noch radikal gehabt haben, so können wir sagen: da war das ganze menschliche Anschauen anders. Gewiß, nicht in einem Momente trat ein völliger Umschwung ein; aber dennoch ist das Ereignis von Golgatha dasjenige, welches bezeugt, wie in der Entwickelung der Menschheit eine Phase sich trennt von der anderen Phase. Das Ereignis von Golgatha ist hingestellt an das Ende jener Entwickelung, in der die Menschen, indem sie die Sinneswelt anschauten, auch eine Anschauung des Geistigen hatten. So wenig das dem heutigen Menschen liegt, so wenig das dem heutigen Menschen plausibel erscheint, es ist so, daß in der vorchristlichen Zeit die Menschen in der Regel mit dem Sinnlichen zugleich ein Geistiges sahen. Sie sahen nicht bloß Bäume, nicht bloß Pflanzen, sie sahen mit den Bäumen ein Geistiges, mit den Pflanzen ein Geistiges. Aber die Kultur für diese Anschauung war abgelaufen, als das Ereignis von Golgatha herannahte. Ein neues Element sollte in die Menschheitsentwickelung eingreifen. Wenn der Mensch in seiner Umgebung das Geistige in den physisch-sinnlichen Dingen schaut, so kann sein Bewußtsein nicht ein solches werden, daß in ihm der Freiheitsimpuls entsteht. Mit der Entstehung dieses Freiheitsimpulses muß verbunden sein gewissermaßen ein Verlassensein des Menschen vom Göttlich-Geistigen, wenn er bloß in die äußere Welt hinaussieht. Es muß verbunden sein mit diesem Freiheitsimpuls die Notwendigkeit, aus der tiefsten Kraft der Seele heraufzuholen die Anschauung des Geistigen.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-04-02","location":null,"word_count":375,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/198/1920-04-02/p015","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/198/1920-04-02/p015"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/198/1920-04-02/p015"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1920-04-02_02"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."}}