Vierter Vortrag
Es ist notwendig, daß diejenige Tendenz, welche in der fünften nachatlantischen Zeit heraufgekommen ist, die Tendenz nach einer begreifbaren, dem menschlichen Urteilsvermögen angemessenen wissenschaftlichen Erkenntnis, auch einziehe in die Erkenntnis der übersinnlichen Welt. Denn zu den Ereignissen, die durchaus in der übersinnlichen Welt liegen, gehört das Ereignis von Golgatha. Zu den Ereignissen, die nur verstanden werden können durch übersinnliche Vorstellungen, gehört das Ereignis von Damaskus, wie es Paulus erlebt hat. Von dem Verständnis dieser Ereignisse hängt es ab, ob man in Wahrheit von dem Christus-Impuls etwas fühlen kann, oder ob man von dem Christus-Impuls nichts fühlen kann. Geradezu eine Probe sollte sich der Mensch der Gegenwart auferlegen, indem er sich frägt: Wie stehe ich in derjenigen Zeit, die man auf das «Osterfest» getauft hat, wie stehe ich zu dem, was übersinnliche Erkenntnisse sind? — Denn das Osterfest soll schon seiner Zeitfestsetzung nach erinnern an das Aufblicken des Menschen vom Irdischen zu dem Außerirdischen. In bezug auf den Ausblick in das Außerirdische hat ja der Mensch der Gegenwart nichts anderes sich reserviert als höchstens die Mathematik, die Mechanik, oder in der neueren Zeit noch die Spektralanalyse. Das sind die Grundlagen, durch die er sich Erkenntnisse über das Außerirdische verschaffen will. Er hat keine Empfindung mehr dafür, daß er verbunden ist mit diesem Außerirdischen, und daß aus diesem Außerirdischen der Christus hergekommen ist und eingezogen ist in die Persönlichkeit des Jesus.
Cite:
GA 198/1920-04-02/p025 · edition original