{"corpus":"steiner","locus":"GA 198/1920-04-02/p026","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Nehmen Sie die hier einschlägigen Gedanken nur geradezu ernst. Ich habe Sie öfter aufmerksam gemacht, wie feingeistige Naturen, wie Herman Grimm, die zwar heute variierte, aber doch im wesentlichen noch immer herrschend gebliebene Kant-Laplacesche Theorie nennen. Aus einem Urnebel hervorgegangen dieses Sonnensystem; im Laufe der Umwandelungen des Urnebels und seiner Verdichtungen Pflanzen, Tiere und auch der Mensch entstanden! Und weitergehend: die Erde einmal, nachdem alles auf ihr das Grab gefunden hat und nichts mehr tönt in das Weltenall heraus von dem, was die Leute sich phantasiert haben an Idealen, an Kulturgebilden, die Erde hineinfallend wie eine Schlacke in die Sonne, dann auch in einer noch späteren Zeit die Sonne versprühend im All, nicht nur begrabend, sondern vernichtend all das, was von den Menschen getan wird - es ist eine Anschauung von der Weltenordnung, wie sie nicht anders hat entstehen können in einer Zeit, in der man bloß mit den mathematischen, mechanischen Erkenntnissen das Außerirdische begreifen will. Aus einer Welt, in die man nur hinein rechnet, oder in der man die Eigenschaften der Sonne mit dem Spektroskop untersucht, in einer solchen Welt ist allerdings der Ort nicht zu suchen, aus dem der Christus heruntergekommen sein sollte, um sich mit dem Erdenleben zu verbinden! Ein gewisser Teil der Menschheit zieht es ja heute vor, weil er nicht zurechtkommt mit seinen Gedanken, lieber sich gar nicht damit zu beschäftigen, sondern fortzureden mit denjenigen Worten, die man gelernt hat aus den Evangelien, aus den Paulusbriefen, nachzuplappern, was man da gelernt hat, nicht nachzudenken, ob sich das verträgt mit dem, was man sonst als Anschauung gewinnt über die Entwickelung der Erde und der Menschheit. Aber eben darin besteht die tiefe innere Unwahrheit unserer Zeit, daß man sich herumdrückt um das wirklich nebeneinander zu Denkende, notwendig nebeneinander zu Denkende. Einen Nebel will man sich vormachen, damit man das Zusammengehörige nicht zusammen zu denken braucht. Einen Nebel macht man sich deshalb schon auch vor, wenn man Feste feiert, wenn man vom Osterfeste spricht, vom Feste der Auferstehung, und eigentlich weit davon entfernt ist, sich einen Begriff von dieser Auferstehung zu machen, der ja heute nur mit geistig-übersinnlicher Erkenntnis gemacht werden kann.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Vierter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-04-02","location":null,"word_count":354,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/198/1920-04-02/p026","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/198/1920-04-02/p026"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/198/1920-04-02/p026"}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null},"also_served_as":{"lectures":["1920-04-02_02"],"note":"The identical text is also served under the loci listed here. They are the SAME witness under different ids, not independent attestations: do not cite two of them as corroborating each other."}}