Vierter Vortrag
Daher sollten wir heute vor allen Dingen uns vor die Seele führen den Gedanken: Überlieferungen von einem Osterfeste, das am ersten Sonntag nach dem Frühjahrsvollmond stattfinden soll, sind da. Ein Recht, ein solches Osterfest zu feiern, haben wir heute, wenn wir Menschen der Gegenwartskultur sind, nicht. Wie gewinnen wir wiederum ein Recht? Man verbinde den Gedanken an den im Grabe liegenden Christus Jesus, an den Christus Jesus, der zur österlichen Zeit überwindet den Grabstein, der auf sein Grab gewälzt ist, man verbinde diesen Gedanken mit dem anderen, daß die menschliche Seele fühlen soll den Grabstein der bloßen äußeren mechanistischen Erkenntnis auf sich, und daß sie streben muß, zu überwinden den Druck dieser Erkenntnis, auf daß ihr werde die Möglichkeit, nicht bloß als ein wahres Glaubensbekenntnis dieses zu haben: Nicht ich, sondern das vollentwickelte Tier in mir —, auf daß sie wieder ein Recht habe, zu sagen: «Nicht ich, sondern der Christus in mir.»
Cite:
GA 198/1920-04-02/p029 · edition original