{"corpus":"steiner","locus":"GA 198/1920-07-09/p006","lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"text":"Wir haben als Menschen die Fähigkeit, durch unsere Vorstellungen, durch unser Denken über die Welt uns zu unterrichten. Wir denken aber nicht viel darüber nach, welche besondere Eigentümlichkeit dieses Denken eigentlich hat. Es hat dieses Denken schon eine besondere Eigentümlichkeit, denn dem äußeren Leben gegenüber ist es eigentlich unnötig. Wir machen uns dieses gewöhnlich nicht klar. Abgesehen davon, daß die Tiere auch leben können, ihre Nahrung aufsuchen können, sich fortbringen zwischen Geburt und Tod, ohne daß sie in der menschlichen Weise denken, abgesehen davon, daß man schon daraus entnehmen kann, daß wir gewisse niedere Aufgaben des Lebens auch verrichten können, wenn wir nicht auf menschliche Weise denken, brauchen wir ja nur einer etwas gründlicheren Lebenserwägung uns hinzugeben, und wir werden gleich sehen, wie für das äußere physische Leben das Denken eigentlich unnötig ist. In bezug auf gewisse Dinge können wir uns gar nicht auf das Denken verlassen. Nicht wahr, wir treiben Wissenschaft. Nehmen Sie irgendeine Wissenschaft heraus, zum Beispiel die Physiologie, durch die wir uns über die Art und Weise unterrichten, wie die menschlichen Organe funktionieren. Wir lernen in der Physiologie, so gut es auf materialistischem oder auf spirituellem Gebiet geht, erkennen, welcher Art der Verdauungsvorgang ist. Aber wir können niemals warten auf das denkende Erkennen des Verdauungsvorganges; wir müssen vorher regelrecht verdauen. Wir würden im Leben nicht fortkommen, wenn wir warten müßten, bis wir über das Verdauen gedacht haben, bis wir das erkannt haben. Wir müssen die Verdauungstätigkeit unbedacht ausführen, und so auch die anderen Tätigkeiten unseres Organismus. Gerade mit Bezug auf dasjenige, was wir als Menschen ausführen, kommt das Denken immer hinterher. Für das Leben in der Sinneswelt könnten wir also das Denken im Grunde genommen entbehren.","text_trust":"verbatim","quote_safe":true,"title":"Zwolfter Vortrag","site_heading":null,"date":"1920-07-09","location":null,"word_count":279,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/198/1920-07-09/p006","alignment_confidence":null,"alignment_reason":null,"two_voice_volume":false,"translation_credit":null,"edition_coverage":{"de":["original"],"en":["English"]},"available_versions":[{"lang":"de","edition":"original","edition_basis":null,"is_original":true,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/de/ga/198/1920-07-09/p006"},{"lang":"en","edition":"English","edition_basis":null,"is_original":false,"is_default_edition":true,"url":"https://anthroposophy.ai/v1/steiner/en/ga/198/1920-07-09/p006","paragraph_aligned":true}],"record":{"record_type":"unknown","scope":"volume","note":"How this text was taken down (shorthand transcript, listeners' notes or manuscript) is not on record here. Unknown is not an assurance of a stenogram: check the edition's own notes before resting an argument on one word.","evidence":null,"evidence_translation":null,"evidence_source":null}}