Zwolfter Vortrag

GA 198/1920-07-09/p007 ·1920-07-09 · original (original)
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Da beginnt die große Frage, die jetzt auftaucht vor dem Geisteswissenschafter: Was hat es mit diesem Denken, das uns im gewöhnlichen physisch-sinnlichen Leib ja gar keine Dienste leisten kann, eigentlich für eine Bewandtnis? — Auf ein Wichtiges muß man natürlich hinweisen. Dasjenige, was uns in der äußeren Technik vorliegt, würde uns nicht vorliegen, wenn wir es nicht zuerst bedenken würden. Aber im Grunde genommen setzt das Denken mit seiner positiven Bedeutung erst ein bei der äußeren Technik und alledem, was äußere Technik fordert. Bei alledem, was nicht äußere Technik fordert, ist das Denken etwas, was eigentlich hinterher einsetzt und was sich gegenüber unserem sinnlichen Dasein als überflüssig erweist. Wir tragen also ein Element in uns, welches zu unserem sinnlichen Dasein keinen Beitrag liefert. Das sagt sich der Geisteswissenschafter, und dann kommt er dazu, noch zu untersuchen, was eigentlich dieses Denken ist. Dann findet er, wie ich Ihnen öfter auseinandergesetzt habe, daß dieses Denken eigentlich eine Erbschaft von unserem vorgeburtlichen Dasein ist, daß gerade das Denken dasjenige ist, welches wir am intensivsten ausgebildet haben zwischen dem letzten Tode und dieser Geburt, daß wir die Fähigkeit dieses Denkens hereintragen in dieses sinnliche Dasein, daß dieses Denken eigentlich ausgebildet war für die übersinnliche Welt. Wir verstehen die Bedeutung dieses Denkens gar nicht, wenn wir nicht wissen, daß es unsere Erbschaft aus der übersinnlichen Welt ist.

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