Zwolfter Vortrag

GA 198/1920-07-09/p012 ·1920-07-09 · original (original)
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Aber wenn man das einmal erkennt, wenn man so, ich möchte sagen, die Seelenlehre des Lehrens erkennt, dann tut sich die andere Frage auf, die Frage, welche bei der Ausbildung einer Pädagogik für die Waldorfschule die größte Rolle gespielt hat. Es klingt den heutigen Menschen noch paradox, diese andere Seite des Lehrens der Pädagogik, und doch, bei der Ausbildung der Pädagogik der Waldorfschule hat diese andere Seite die größte Rolle gespielt, und das ist diese, daß wir zu gleicher Zeit es zur Erkenntnis bringen, daß die Kinder, die hereinwachsen in die Welt, jedes für sich ein Rätsel ist und daß wir wirklich von den Kindern lernen können. Indem wir Lehrer sind, befriedigen wir nicht bloß unser Mitteilungsbedürfnis, sondern zu gleicher Zeit unser Erkenntnisbedürfnis, indem wir uns sagen: Du bist älter geworden, aber diejenigen, die jetzt hereinkommen, die bringen dir aus späterer Zeit Nachricht aus der geistigen Welt her, die enthüllen dir dasjenige aus der geistigen Welt, was seit deiner eigenen Geburt in der geistigen Welt sich zugetragen hat, denn die sind länger drinnengeblieben in der geistigen Welt. In den verschiedensten Gestalten wurde das gerade den Lehrern der Waldorfschule beigebracht, Botschaften aus der geistigen Welt in dem heranwachsenden Kinde entgegenzunehmen, wirklich daran zu denken in jedem Augenblicke, und namentlich zu empfinden: In dem Kind, das dir da übergeben wird, enthüllt sich dir dasjenige, was dir aus der geistigen Welt hereingeschickt wird.

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Cite: GA 198/1920-07-09/p012 · edition original