Zwolfter Vortrag

GA 198/1920-07-09/p014 ·1920-07-09 · original (original)
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Damit haben wir aber hingewiesen darauf, wie dieses Arbeiten im Erziehen, im Mitteilen seiner Gedanken — und schließlich ist es ein Mitteilen von Gedanken, ob ich jemandem etwas erzähle, oder ob ich einen Roman schreibe, oder, wenn wir den Gedanken im weiteren Umfange denken, ob ich ein anderes Kunstwerk produziere —, wie dieses ganze Leben in Gedanken ein Zusammenleben mit der geistigen Welt ist, ein Hereintragen desjenigen, was wir vorgeburtlich erlebt haben, in diese Welt hier. Diese besondere Eigentümlichkeit dessen, was man geistiges Erleben nennt, was man geistige Zivilisation nennt, das muß schon einmal von Anthroposophen ins Auge gefaßt werden. Denn dadurch bekommt dieses Geistesleben sein besonderes Gepräge, daß wir uns, indem wir in diesem Geistesleben stehen, bewußt werden: Wir hängen dadurch zusammen mit alledem, was vor unserer Geburt liegt, was noch nach unserer Geburt liegt, indem die Kinder es uns aus den übersinnlichen Welten hereintragen. - Dadurch bekommt aber dieses geistige Leben sein besonderes Gepräge. Es ist da einmal das, was sein sollte, daß der Anthroposoph die Welt viel realer ansieht als der andere Mensch heute, daß der Anthroposoph lernt, auf diese Feinheiten des Lebens hinzuschauen. Also er soll erkennen, wie das äußere Zivilisationsleben in dem Betrieb des Geistigen zusammenhängt mit dem Vorgeburtlichen, und wie eigentlich da in dem Geistigen sich etwas entfaltet, was reicher ist als der einzelne Mensch, was über den einzelnen Menschen hinübergreift. Nicht wahr, wenn wir darauf angewiesen sind, unsere Gedanken anderen mitzuteilen, also sie auch in den Herzen, in den Empfindungen anderer zu finden, so weist uns eben das Geistesleben auf eine Gemeinsamkeit hin, auf etwas hin, was wir nur mit anderen Menschen zusammen erleben können. Es stattet uns das Geistesleben mit etwas aus, was wir gar nicht allein haben wollen.

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