Zwolfter Vortrag

GA 198/1920-07-09/p015 ·1920-07-09 · original (original)
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Wir wissen gewissermaßen mehr — wenn ich mich jetzt paradox ausdrücken soll -, als wir für uns behalten dürfen, und es kreuzen sich in dieser Beziehung unsere Bedürfnisse. Wer einem anderen etwas mitteilt, dem soll wiederum von einem anderen etwas mitgeteilt werden. Anders geht es ja gar nicht. Also wir überschütten uns mit dem geistigen Leben, wir schütten die Güter gegenseitig aus. Das ist wiederum eine Eigentümlichkeit dieses geistigen Lebens. Wir haben zuviel. Wir bringen eben zuviel für diese Sinnlichkeit mit, weil dieses Geistesleben, das wir als denkendes Wesen mitbringen, zugleich für das Übersinnliche bestimmt ist. Weil darinnen das Übersinnliche sich auslebt, so überschwemmt es gleichsam flutartig diese physische Welt. Ganz anders ist es, wenn wir den Blick auf das wirtschaftliche Leben richten. Da ist es nicht so, daß wir so leicht die Gedanken dem anderen mitteilen. Erstens wollen wir das oftmals nicht. Wenn wir Gedanken des wirtschaftlichen Lebens anderen so leicht mitteilen wollten wie die Gedanken des reinen lehrhaften Lebens, so würde niemand sich irgend etwas patentieren lassen, es würde niemand ein Geschäftsgeheimnis bewahren. Da ist das Mitteilungsbedürfnis gar nicht so groß wie auf dem Gebiete der geistigen Kultur. Und Sie brauchen sich nur auszumalen, wie es im wirtschaftlichen Leben steht, dann werden Sie sogleich sehen, daß da gar nicht eine solche Gedankenflut von einem zum anderen geht, sondern daß sich da die Dinge ganz anders verhalten.

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