Zwolfter Vortrag

GA 198/1920-07-09/p020 ·1920-07-09 · original (original)
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Da entsteht wiederum eine große Frage für den, der nun, ich möchte sagen, mit hellem Seelenauge die Welt betrachtet. Er sagt sich: Wir bringen eine gewisse Summe von Urteilen mit, die wir überschütten, die wir ausschütten können an andere Menschen. Die verbinden uns mit dem Leben vor der Geburt. Dann aber eignen wir uns brauchbare Urteile auf dem Gebiete des äußeren, namentlich wirtschaftlichen Lebens nur an, wenn wir uns mit anderen bleibend zusammentun, wenn wir Assoziationen mit ihnen bilden, wenn wir zusammen mit ihnen urteilen, wenn wir gewissermaßen unser Urteil und ihre Urteile zusammenstückeln. Wir können ihnen nichts mitteilen, sondern wir müssen, damit überhaupt unser Urteil bestehen kann, unser Urteil mit ihrem zusammenstückeln. Woher kommt denn das? Das ist die große Frage. Das kommt davon, daß wir als Menschen wirklich mindestens ein Doppelwesen sind. Wir sind eigentlich ein dreifaches Wesen, aber darauf will ich heute nicht Rücksicht nehmen, Sie können das Genauere darüber in meinem Buche «Von Seelenrätseln» nachlesen; aber ich will zunächst auf das Doppelwesen Rücksicht nehmen, indem ich das zweite und dritte mehr zusammenfasse. — Was wir aus der geistigen Welt heraus bringen in diese Welt herein, was wir über den Menschen ausschütten können, das formt an uns das Haupt, den Kopf, der nun wirklich mehr ist als ein bloßer Ausdruck, ein bloßes Werkzeug, der wirklich ist ein Abbild desjenigen, was wir vor der Geburt waren, der unser Seelisches ja auch physiognomisch ausdrückt, also mehr tut als der übrige Organismus, der nun wahrhaftig nicht gerade unser Seelisches, wenn wir uns nicht bewegen, also unmittelbar unser Seelisches in Regsamkeit vergegenwärtigt, der wahrhaftig nicht unser Seelisches unmittelbar ausdrückt, wie das Gesicht, der Kopf unser Seelisches ausdrückt.

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Cite: GA 198/1920-07-09/p020 · edition original